Hinweis zu diesem Teil der Website

Liebe Leser*innen,

in diesem Teil unserer Website finden Sie Informationen vom „Bündnis Windpark Winterstein“, das im September 2020 gegründet wurde und in dem sich inzwischen 29 Organisationen zusammengeschlossen haben, um für einen Windpark im Windvorranggebiet 7805 auf dem Winterstein einzutreten. Verantwortlich für die Veröffentlichungen zeichnet der Sprecher*innenkreis des Bündnisses:

Dr. Werner Neumann (BUND Wetteraukreis), Diethardt Stamm  (Energiebildungsverein), Jan Kühnemund (Fridays for Future Friedberg/Bad Nauheim), Volkmar Heitmann (Wetterau im Wandel), Klaus Kissel  (Bürger*innen-Bündnis WIR), Betina Quägber-Zehe (Die Grünen Rosbach), Hans-Dieter Wagner (Querstellen-Friedberg).

Querstellen stellt seine Website zur Verfügung, da das Bündnis keine eigene Website unterhält. Alle Beiträge zum Windpark Winterstein, die von Querstellen selbst stammen, finden Sie weiterhin unter dem Menüpunkt Wind+Sonne.

Weihnachts- und Silvesterbescherung durch Hessenforst

Pressemitteilung: Eine solche Weihnachts- und Silvesterbescherung braucht niemand. Landesregierung und Hessenforst behindern durch ihren Alleingang die gemeinsame Entwicklung der Wintersteinfläche.

In den letzten 6 Monaten haben sich die Kommunen Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim gemeinsam wegen einer Optimierung ihrer Flächen auf dem Winterstein mit der OVAG als regionalem Energieversorger beraten, um kurz vor Weihnachten zu grundlegenden Verabredungen zu kommen. Dies wurde u.a. von dem Bündnis Windkraft Winterstein positiv begleitet und das inzwischen in allen kommunalen Parlamenten vorgestellte Ergebnis wurde wohlwollend aufgenommen. Dieser Schritt war eine der Voraussetzungen für das vom Bündnis schon immer geforderte, energetische gemeinsame Layout für die komplette Wintersteinfläche. Es wurde davon ausgegangen, dass nun alle Flächeninhaber, also die Kommunen, der Hessen- und der Bundesforst gemeinsame weitere Schritte absprechen, um möglichst schnell, aber zeitgleich, die nächsten Planungsschritte vorzubereiten. Froh war das Bündnis, dass es die schon im Frühjahr 2022 angedachte einseitige Ausschreibung vom Hessenforst durch Anschreiben an das zuständige hess. Umweltministerium und auch die Staatskanzlei verhindern konnte. Als gut empfunden wurde auch die parallel stattfindende EEG-Novellierung auf der Bundesebene, mit einer deutlichen Verbesserung der regionalen Bürger:inneneinbindung und -beteiligung bei Windkraftparks, gültig ab 2023. Hierzu fanden schon vorbereitende Treffen mehrerer Energiegenossenschaften statt, die entsprechend den neuen EEG-Überlegungen Bürger:innen im 50 km-Umkreis um den Winterstein vertreten. Auch die OVAG stieg als Stromversorger vor Ort dazu schon in erste detaillierte Vorbereitungen ein und machte Vorschläge, wie man verschiedene Genossenschaften in einer Beteiligungsgesellschaft zusammenfassen kann. Darüber hinaus wurde eine Dachgesellschaft diskutiert, in der sich dann auch die Kommunen und ebenso der Hessenforst integrieren könnten. Dies lief alles auf ein hessenweites Modell hinaus, mit dem sich die Landesregierung zeigen könnte und bei dem man auch – wegen des Modellcharakters zunächst einmalig – auf die seit vielen Jahren umstrittene Landeshaushaltsverordnung hätte verzichten können. Diese Negativverordnung hätte  dann die schwarz/grüne Landesregierung in den nächsten Monaten politisch völlig neu formulieren und im Parlament verabschieden können. In Verbindung mit weiteren Maßnahmen hätte dadurch die unzureichende  Errichtungszahl von nur 8 Windkraftneuanlagen in ganz Hessen im Jahr 2021 zukünftig deutlich gesteigert werden können.

Geschockt wurden aber das Bündnis, die Kommunen, die OVAG und die Bürger:innen vor Ort, als kurz vor Weihnachten der Hessenforst eine einseitige Ausschreibung als Jahresabschlussbescherung präsentierte, die im Widerspruch zu den bisherigen Vereinbarungen steht. Zu verantworten haben das die eingebundene Staatskanzlei mit Ministerpräsident Boris Rhein und das Umweltministerium mit der Ministerin Priska Hinz. Diese wurden aber auch schon im Mai 2022 von dem Bündnis und auch der OVAG in Überlegungen in die Richtung eines bedeutenden Projektmodells Winterstein eingebunden. Eine Antwort erhielt Diethardt Stamm nun genau am Heiligen Abend von der Ministerin. Darin wird u.a. darauf hingewiesen, dass man nach „landesseitigen Vorgaben ein zeitnahes Verfahren der Angebotseinholung“ vornehmen wolle. Weiter  teilt die Ministerin dann noch mit, dass „erst im Anschluss daran die betreffenden Planungen“ zum weiteren Verfahren „anlaufen“.

Dieses „Verfahren“ trifft bei dem Bündnis Windkraft Winterstein auf die schlimmsten Erwartungen. Das beginnt mit der üblichen einseitigen Ausschreibung vom Hessenforst nach der sog 70%/30 % – Regel. D.h. zu 2/3 Dritteln ist das maximale Geldkassieren auf Kosten der Bürger:innen eine Vorgabe. Dort steht nämlich klar, dass die Auswahlentscheidung des Landes auf der Basis „des angebotenen Umsatz- und Mindestentgelts“ und „auf der Grundlage des Ertrags einer Windenergieanlage“ erfolgt. D.h., das Land kassiert sogar noch in Abhängigkeit vom wehenden Wind und dann bleibt wohl noch etwas für irgendeinen europäischen Großkapitalanleger übrig, aber nichts für die regionale Wertschöpfung oder die um den Winterstein wohnenden Menschen. Diese dürfen sich dann mit der Rest-30 %-Regel begnügen und in Schönrederei missbraucht das Land dort den Begriff „Bürgerbeteiligung“.

Die Forderung des Bündnisses an die Landesregierung ist deshalb, sofort die Ausschreibung zu stoppen und zurückzuziehen. Falls schon Erstbewerbungen vorliegen, müssen evtl. Unkostenanforderungen dazu erstattet werden. Dann sollte der seit einem Jahr immer wieder ins Spiel gebrachte Runde Tisch endlich realisiert werden. Dort sollen die Kommunen, die Bürger:innen u.a. vertreten durch das Bündnis und Energiegenossenschaften, der regionale Energieversorger und natürlich auch der Hessen- und Bundesforst ihre Teilnahme einbringen und gemeinsam die weiteren Schritte besprechen. Es kann nicht sein, dass die Landesregierung den potenziellen Moderator LEA (Landesenergieagentur) in vielen Schreiben ins Spiel bringt, aber konkret nicht einsetzt. Das Land muss entweder zunächst nur für dieses Modell Winterstein die Landeshaushaltsverordnung durch einen Kabinettsentscheid außer Kraft setzen oder lässt über das Landesparlament diese Verordnung grundlegend novellieren. Das permanente Berufen auf diese Verordnung, als wäre sie ein politisches Heiligtum, darf so nicht fortgesetzt werden. Ansonsten würden die erneuerbaren Energien weiter behindert, was ein Verstoß gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24.03.21 in Sachen Klimaschutz und Klimaneutralität wäre. Das Bündnis stellt fest: Auch die Landesregierung muss ihren Verpflichtungen nach Art 20 a im Grundgesetz (Verantwortung für die künftigen Generationen) nachkommen. Gewollt werden zukünftig nicht 8 Windkraftanlagen in einem Jahr, sondern wenigstens die Bebauung von 2 Flächen in der Größenordnung des Wintersteins pro Regierungspräsidium in Hessen. Das wären dann bei 3 Regierungspräsidien x 2 Flächen x ca. 18 WKAs = 108 neue hessische Windmühlen, statt mageren 8. So ginge es mit der Energiewende auch in Hessen voran.

Fortschritte in den Winterstein-Kommunen, Pressemitteilung des Windpark-Bündnisses

Das Bündnis Windpark Winterstein und seine 29 Mitgliedsorganisationen setzten sich auf ihrem 7. Plenumstreffen, am 30. Nov. 2022, umfassend mit dem Windpark-Vorschlag der OVAG an die vier Anrainerkommunen des Wintersteins auseinander. An dem Bündnistreffen nahmen neben den Bündnisorganisationen auch Vertreter:innen aus den Magistraten, Parlamenten, kommunalen Fachausschüssen und auch Personen teil, die bei den Ausschusssitzungen der Kommunen anwesend waren. 

Das Bündnis begrüßte den Vorschlag der OVAG, einen Windenergiepark auf dem Winterstein zu errichten. Mit 12 bis 18 Windkraftanlagen neuester Bauart und einer gesamten Nennleistung von 112 Megawatt (MW) könnte der Strombedarf von ca. 175.000  Menschen, also mehr als der Hälfte der Wetterauer Bevölkerung abgedeckt werden. Einzelheiten hierzu wurden schon in der Presse (z.B. WZ vom 19.11.22) vorgestellt. Das Bündnis rechnet damit, dass die beteiligten Kommunen dieses Konzept unterstützen.

Wesentlich sind für das Bündnis mehrere Punkte: Es wird begrüßt, dass die OVAG den Kommunen eine wirtschaftliche Beteiligung an der Investition und damit auch am Ertrag anbietet. Auch die Bürger:innen sollen sich über Energiegenossenschaften beteiligen können. Schon sechs solcher Energiegenossenschaften bereiten sich aktuell entsprechend vor. Zudem ergibt sich nach der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) ab dem 1.1.2023 die Option, dass Bürgerenergie-Projekte keine Ausschreibungen bei der Bundesnetzagentur durchlaufen müssen, wenn 75% der Mitwirkenden im Umkreis von 50 km um die Windenergieanlagen wohnen. Pro Genossenschaft wäre zwar die Gesamtleistung auf jeweils 18 MW, d.h. auf zwei Windkraftanlagen mit der derzeitigen Planungsgröße von 7,5 MW begrenzt, aber mit sechs Beteiligungsgesellschaften könnte der Windpark Winterstein zu einem echten Bürgerwindpark werden. Hinzu kommen weitere finanzielle Vorteile für die Kommunen im Umkreis des Windenergieparks, die u.a. eine gesetzliche Auszahlung von zusammen ca. 560.000 € zu erwarten haben, die sich aus § 6 EEG ergibt. Dort ist nämlich eine Ausschüttung von 0,2 Cent je produzierter KWh im Umkreis von 2,5 km um jedes Windrad vorgesehen.

Durch die Vorschläge des regionalen Energieversorgers ist nun der Weg bereitet, dass die vom Bündnis schon immer geforderte gemeinsame, energetisch optimierte Planung des Windparks umgesetzt werden kann. Ansonsten wäre zu befürchten, dass mehrere Betreiber sich gegenseitig Wind und Ertrag wegnehmen würden. Mit dem OVAG-Modell deutet sich erstmals eine Gesamtlösung für die komplexe Situation am Winterstein an, bei der außerdem große Teile der Wertschöpfungen in der Region verbleiben würden.

Seitens des Bündnisses stellte Diethardt Stamm mit seiner Erfahrung als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Windparks in Schotten fest, dass das Konzept der OVAG mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 7 Metern pro Sekunde sehr plausibel ist. Sehr positiv sei auch, dass die OVAG bereit ist, die kompletten Kosten und Risiken für die Entwicklung des Windparks zu übernehmen, aber dennoch den Kommunen und Bürger:innen eine Beteiligung von bis zu 50% vor Inbetriebnahme anbietet. Hans-Dieter Wagner hielt fest: „Wir freuen uns, dass es nach mehr als 10 Jahren Stillstand jetzt auf dem Winterstein mit der Windenergie vorangeht. Das ist ein wichtiger Beitrag unserer Region zum Schutz von Klima und Umwelt. Durch Ausgleichsmaßnahmen ergeben sich auch Möglichkeiten zur Wiederaufforstung der vom Klimawandel geschädigten Waldbestände.“ Das Bündnis wird sich nun besonders dafür einsetzen, dass sich auch das Land Hessen, das mit HessenForst über große Teile des Wintersteins verfügt, an diesem von Kommunen und dem regionalen Stromanbieter diskutierten Konzept beteiligt, um auf dem Winterstein einen großen gemeinsamen Bürgerwindpark als Pilotprojekt zu realisieren.

Wie steht es um den Windpark Winterstein?

Nachdem im Frühjahr 2022 durch die Anrainerkommunen der Beschluss zur Errichtung eines Windparks im Wintersteingebiet gefasst wurde, ist darüber in der Öffentlichkeit kaum noch etwas zu hören. Wie weit sind die Vorbereitungen gediehen?

Ansicht vom Wintersteingebiet

Das Bündnis Windpark Winterstein, in dem sich 29 Organisationen zusammengeschlossen haben, um für Windenergiegewinnung auf dem Winterstein einzutreten, fordert angesichts der fortschreitenden Klimakrise und der durch Putins Krieg ausgelösten Energiekrise, den Windpark-Winterstein jetzt auch zügig zu realisieren. Deutlich mehr erneuerbare Energie ist nicht nur für das Klima wichtig, sondern vermindert auch Deutschlands Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen. Die langwierigen naturschutzrechtlichen Untersuchungen machen es notwendig, dass die beteiligten Kommunen, der regionale Energieversorger OVAG und Energiegenossenschaften in der Region Winterstein zügig mit HessenForst und BundesForst die Planungen für einen großen, gemeinsamen und energetisch optimierten Windpark vorantreiben.

Das Windpark-Bündnis hat schon im Frühjahr darauf hingewirkt, dass HessenForst nicht einseitig im Alleingang seine Teilflächen ausschreibt, weil dies nach unserer Auffassung den Intentionen der Absichtserklärung und einem gemeinsamen Windpark widerspricht. Stets hat das Bündnis auf die Anteilseigner einzuwirken versucht, damit sie an einem großen gemeinsamen Windpark festhalten. Mehrfach hat das Windpark-Bündnis auch Staatsministerin Priska Hinz angeschrieben, da das von ihr geführte hessische Umweltministerium die vorgesetzte Behörde für den HessenForst ist. Sie wurde gebeten, sich dafür einzusetzen, dass der Windpark Winterstein ein Modellprojekt für ganz Hessen wird. Ziel sollte es sein, ein Betreibermodell zu entwickeln, durch das die Wertschöpfung vollständig in der Region verbleibt und diejenigen, die im Umkreis um den Windpark leben, auch einen unmittelbaren finanziellen Nutzen von ihm haben. Darunter wird u.a. auch ein günstigerer Strompreis verstanden. Ein großer gemeinsamer Windpark bietet die Chance, Risiken und Gewinne gleichmäßig auf viele Schultern zu verteilen. Deshalb hat das Bündnis auch immer einen „Runden Tisch“ und die frühzeitige Einbindung und aktive Beteiligung der Bevölkerung gefordert. Eine solche Einbindung von Bündnis und Bevölkerung ist bisher leider nicht erfolgt.

Das Bündnis fordert auch, das neue EEG (Erneuerbare Energiegesetz) mit seinen Paragraphen zum Vorteil von regionalen Energiegenossenschaften anzuwenden. Dort steht nämlich, dass diese Anlagen bis zu 18 MW, das entspricht 2 – 3 modernen Neuanlagen, ohne Ausschreibung bauen können. In der Region gibt es mehrere Energiegenossenschaften, die nur darauf warten, Windenergieanlagen auf dem Winterstein und unter Beteiligung von Bürger:innen, Kommunen und den regionalen Energieversorgern zu betreiben. Mit einem solchen Verfahren kommt man nicht nur zu einer 100-prozentigen regionalen Wertschöpfung, sondern kann auch den notwendigen Ausbau der Windkraft beschleunigen. In Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland wurden im ersten Halbjahr 2022 gerade einmal 12 Windkraftanlagen errichtet, obwohl nach den Klimaschutzzielen der Bundesregierung 474 Anlagen erforderlich gewesen wären. Das ist ein politischer und energetischer Skandal. Der Hitzesommer in diesem Jahr und der zerstörte Wald auf dem Winterstein machen unmissverständlich klar, wie groß der Handlungsdruck ist. Hätten in den zurückliegenden Jahren nicht so viele Akteure die Energiewende hinausgezögert, wäre die aktuelle Energiekrise lange nicht so groß. Umso schneller müssen jetzt diskussionsfähige Realisierungsvorschläge für den Windpark Winterstein auf den Tisch. Das Bündnis fordert daher weiterhin alle Beteiligten auf, im Sinne der Absichtserklärung zu kooperieren und ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln, das die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt und zu einer energetischen Optimierung und einem schnellen Ausbau führt. Das Windpark-Bündnis und viele ungeduldige Bürger:innen unterstützen das gerne und bringen ihr umfassendes Know-how ein, damit sich bald Bürgerwindräder mit den wohlklingenden Namen „Die flotte Frida“ oder „Der fixe Fritz“ auf dem Winterstein drehen und sauberen Strom für uns produzieren.

Besuch der Windräder in Bruchenbrücken

Die inzwischen dritte Windenergie-Exkursion des Bündnisses Windpark Winterstein führte am 29. Mai 2022 zu den drei Windrädern bei Bruchenbrücken. Per Rad oder zu Fuß kamen ca. 80 Personen von Friedberg, Bruchenbrücken, Wöllstadt und Rosbach zur Information und um einen Blick in den Turm des Windrades zu werfen. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dirk Antkowiak und Bündnissprecher Hans-Dieter Wagner, stellten Projektleiter Grundl und Betriebsleiter Waldmann des Betreibers EnBW, die eigens aus Stuttgart angereist waren, die Anlagen vor.

Die drei Anlagen aus südöstlicher Richtung.

Die 3 Windräder vom Typ Vestas V 90 haben einen Rotordurchmesser von 90 m und eine Nabenhöhe von ca. 95 m. Ihre Nennleistung beträgt 2 MW, was im Vergleich zu heutigen Anlagen noch relativ wenig ist. Trotzdem erzeugt nur eine Anlage so viel Strom, wie ca. 725 Haushalte mit 4 Personen (bei ca. 4600 kWh) verbrauchen.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Sven Weiberg, schilderte in einem kurzen Rückblick, dass schon seit etwa 2005 um die Windräder gerungen wurde. Zu dieser Zeit waren noch fast alle dagegen und es hatte sich eine Bürgerinitiative gegen die Windräder gegründet. Lange Zeit versuchten auch die Kommunen Ober-Wöllstadt und Friedberg mit Klagen und Veränderungssperren die Anlagen zu verhindern. Alle Einwände entpuppten sich jedoch als unhaltbar und wurden entsprechend von den Gerichten abgewiesen, so dass 2011 die Firma ABO Wind endlich bauen konnte.

Die kurze Historie machte auch deutlich, dass die Windenergie in den letzten 15 Jahren in unserer Region eindeutig mehr Akzeptanz gewonnen hat.

Da sich etwas östlich der bestehenden Anlagen ein kleines, schmales Windvorranggebiet befindet, plant der neue Eigentümer EnBW zwei weitere, deutlich leistungsfähigere Anlagen. Eine etwas nordöstlich gelegene Anlage, z.B. Typ V 162 mit 162 m Rotordurchmesser und einer Nabenhöhe von ca. 170 m und eine südlich gelegene Anlage mit einem Rotordurchmesser von 132 m. Durch die Weiterentwicklung der Technik und die größere Höhe werden sie deutlich leistungsfähiger sein. Pro Höhenmeter ist mit einem Ertragsgewinn von ca. 0,5 – 1 % zu rechnen. Die Anlagen werden eine Nennleistung von ca. 6 MW und 4 – 4,5 MW haben. Allein das größere Windrad produziert damit so viel Strom wie alle drei derzeit bestehenden. Der komplette Windpark wird zusammen mehr Strom erzeugen als ganz Friedberg verbraucht. Das ist durchaus ein passabler Beitrag zur Energiewende.

Projektleiter Grundl von EnBW stellt die Windenergieanlagen vor.

Die Teilnehmenden stellten zahlreiche Fragen, z.B. zu Abschaltregelungen, zum Rückbau nach Ablauf der Betriebszeit, zum Standort der neuen Anlagen oder zum Baubeginn. Herr Grundl von EnBW konnte jedoch zu Letzterem noch keine zuverlässige Aussage treffen, denn noch sind Fragen mit der Deutschen Flugsicherung im Zusammenhang mit dem Drehfunkfeuer in Erbstadt zu klären, die allerdings spätestens durch die geplante Umstellung auf Digitaltechnik entfallen werden. Deshalb kann er weder einen Zeitpunkt für den Baubeginn noch exakte Details zur Projektierung sagen, die sich im Genehmigungsverfahren auch noch ändern können.

Der Friedberger Ulrich Dörper, der häufig im Bereich der Windräder sportlich unterwegs ist, befragte die Landwirte Lebeau und Friedewald von den Aussiedlerhöfen im Görbelheimer Grund, die nur 600 –700 m entfernt liegen, welche Erfahrungen sie mit den Windrädern in ihrer unmittelbaren Umgebung machen. Beide Landwirte können keine Beeinträchtigungen durch Schall oder Schattenwurf beobachten. Den Bau der Windräder, der reibungslos und ohne Störungen von statten ging, erlebten sie eher als eine Attraktion. Die geschotterte Zufahrt und der Kranstellplatz am Windrad sind für ihre landwirtschaftlichen Maschinen sogar von Vorteil. Die Frage nach Vogelschlag wurde ganz lapidar beantwortet: „ Kein Vogel ist so blöd und fliegt gegen das Windrad.“ Sie hätten jedenfalls noch keine toten Vögel gefunden. Beeinträchtigungen gibt es für diejenigen, die in unmittelbarer Nähe leben, offenbar keine, aber sie fühlen sich nicht immer rechtzeitig und umfassend von Stadt und Unternehmen informiert. So vermissen sie auch jetzt genauere Aussagen zu den aktuellen Planungen. Herr Grundl sagt Informationen über den Planungsstand zu, sobald es konkretere Entwicklungen gibt.

Bürgermeister Antkowiak erläutert den Planungsstand am Winterstein.

Auch das zukünftige Großprojekt Windpark Winterstein spielte bei dem Treffen eine große Rolle. Bürgermeister Antkowiak verwies auf die breite Mehrheit in den Parlamenten der Anrainerkommunen, die dem Windpark in der „Absichtserklärung“ zugestimmt haben. Er betonte auch, dass alle an einem gemeinsamen Windparklayout mit einer bestmöglichen Anzahl an Windrädern interessiert sind. Ihm sei die direkte Beteiligung der Kommunen und Bürger*innen mit eigenen Anlagen ein großes Anliegen, weshalb sich die Kommunen auch nicht dem bereits in Kürze erfolgenden  Ausschreibungsverfahren von Hessenforst angeschlossen hätten, sondern nach der Sommerpause eine eigene Ausschreibung planen, bei der Beteiligungskonzepte eine größere Rolle spielen sollen.

Diethardt Stamm und AnwohnerInnen vom Görbelheimer Grund.

Johannes Contag, Stadtratsmitglied der Grünen, begrüßte gemeinsam mit Bündnissprecher Diethardt Stamm, dass jetzt auf dem Winterstein ein großer gemeinsamer Windpark entstehen soll und dass die Positionen von Stadt und Bündnis Windpark Winterstein hierbei viele Gemeinsamkeiten aufweisen.

Stamm kritisierte aber auch deutlich, dass Hessenforst jetzt umgehend – quasi im Alleingang – seine Flächen ausschreiben will, was im Grunde dem in der Absichtserklärung beschlossenen, gemeinsamen Vorgehen widerspräche.

Dass in Hessen der Ausbau der Windenergie stockt und 2022 bisher gerade einmal ein Windrad errichtet wurde, führt Stamm u. a. auch auf Hessenforst zurück. Hessenforst erwarte Pachtgebühren von über 200.000 € je Windrad und außerdem noch eine 20%ige Umsatzbeteiligung. Dadurch werde eine Beteiligung der Bevölkerung weitgehend ausgehebelt. Er appellierte an die Landesregierung, das Ausschreibungs- und Vergabeverfahren zu ändern, um die Beteiligung von Kommunen und Bürger*innen zu stärken. Er untermauerte diese Kritik mit Zitaten aus einer großen aktuellen Anfrage der SPD an die Landesregierung.

Auch Dr. Werner Neumann, Bündnissprecher und Kreisvorsitzender des BUND Wetterau, betonte die zentrale Bedeutung der Bürgerbeteiligung: „Strom der hier produziert wird, soll auch mit den Menschen verbunden sein.“ Die Region, die Kommunen und die Bürger sollen sich finanziell beteiligen können. Dazu gäbe es viele Möglichkeiten, z.B. Zuwendungen an die Kommunen nach dem EEG, aber auch verbilligten Strom für die Anwohner. (Das Bündnis wird sich hierzu noch ausführlicher äußern.) Neumann verwies darauf, dass  nach der Europäischen Union „Erneuerbare Energiegemeinschaften“ möglich sein sollen, in denen gemeinsam Strom erzeugt, vertrieben und verbraucht wird. Er ist überzeugt, dass die Beteiligung der Bürger*innen Voraussetzung und Erfolgsrezept für die Umsetzung der Energiewende ist.

Da bei diesem Treffen auch wieder die Frage nach der Anzahl möglicher Windräder auf dem Winterstein gestellt wurde, veröffentlichen wir hier mit Vorbehalt ein vom Bündnis entworfenes, fiktives Windpark-Layout. Selbstverständlich ist ein solcher Windpark von erfahrenen Projektierern nach umfangreichen Untersuchungen zu entwickeln und wird am Ende des Prozesses sicher anders aussehen. Wir veröffentlichen unseren internen Entwurf dennoch, weil in der Öffentlichkeit ein großes Bedürfnis nach Informationen besteht und selbst in der Presse oft noch ältere, lange überholte Überlegungen verbreitet werden. Der Entwurf soll eine grobe Orientierung über das Windvorranggebiet Winterstein bieten und zur Diskussion in diesem offenen Prozess beitragen.

Dieses fiktive Parklayout des Bündnisses Windpark Winterstein steht als Download zur Verfügung.
Fiktives Parklayout des Bündnisses Windpark Winterstein, März 2022. Alle Angaben ohne Gewähr!

Einige zentrale Forderungen des Bündnisses Windpark Winterstein wurden auch bei dieser Exkursion sichtbar: Wir erwarten einen maximal möglichen Beitrag zum Klimaschutz durch einen energetisch optimierten Windpark. Dieser Windpark soll mit Windrädern neuester Bauart einen größtmöglichen Ertrag erzielen und gemeinsam projektiert und betrieben werden. Der Windpark soll auch der regionalen Wertschöpfung dienen, denn nach unserer Überzeugung sollen diejenigen, die im Umkreis um einen Windpark leben, auch einen unmittelbaren Nutzen von ihm haben. Wesentlich für Akzeptanz und Mitwirkung, das zeigte sich auch erneut bei dieser Veranstaltung,  ist die frühzeitige Einbindung und aktive Beteiligung der Bevölkerung. Dann werden sich hoffentlich in einigen Jahren Bürgerwindräder mit den wohlklingenden Namen „Die flotte Frida“ oder „Der fixe Fritz“ auf dem Winterstein drehen und sauberen Strom für uns produzieren.

Windradbesichtigung bei Bruchenbrücken

Nach dem Besuch der Windparks „Vier Fichten“ bei Wächtersbach und „Siegfriedeiche“ bei Grävenwiesbach führt das Bündnis seine Exkursionen zu Windenergieanlagen in unserer Region fort:

Am Sonntag, dem 29. Mai, geht es in einer gemütlichen Fahrradtour zu den drei Windrädern bei Bruchenbrücken. Die Fahrradtour startet um 14 Uhr vom Parkplatz an der Friedberger Stadthalle und die Information findet um 15 Uhr an den Windrädern statt.

Radtour zu den Windrädern bei Bruchenbrücken

Mitarbeiter des Betreibers EnBW (Energie Baden- Württenberg AG) informieren über die bereits vorhandenen und die zwei neu geplanten Anlagen. Sogar ein Blick in den Turm eines Windrades wird möglich sein. Bürgermeister Antkowiak und Stadtverordnete aus Friedberg berichten. Anwohner aus unmittelbarer Nähe erzählen von ihren Erfahrungen mit den Windrädern und beantworten Fragen der Teilnehmenden. Auch auf den aktuellen Planungsstand zum Windpark Winterstein werden Bürgermeister, Stadtverordnete und Vertreter des Bündnisses eingehen.

Mit seinen Windenergie-Exkursionen will das Bündnis über Windenergie informieren, Vorurteile abbauen und Interessierten die Möglichkeit geben, sich selbst einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Auch soll die Forderung unterstrichen werden, dass die Bürger*innen frühzeitig in den Planungsprozess einzubinden und nicht erst nach Abschluss der Planung zu informiert sind. Durch eine frühzeitige Beteiligung wird die Identifikation der Bürgerschaft mit ihrem Windpark entscheidend gestärkt. Auch fordern wir, dass diejenigen, die den Windpark täglich sehen, auch einen finanziellen Nutzen von ihm haben sollen.

Nähere Informationen zur Veranstaltung, einschließlich Zeit- und Lageplan, können der PDF-Einladung entnommen werden, die sich zur einfacheren Orientierung leicht ausdrucken lässt. Wer nicht an der familientauglichen Fahrradtour teilnehmen will, kann natürlich auch gerne zu Fuß von Friedberg, Bruchenbrücken oder Ober-Wöllstadt zur Information ans Windrad kommen. Zur Erleichterung der Vorbereitung bitten wir um eine kurze Anmeldung unter querstellen-friedberg@t-online.de

Friedberg beim Windpark Winterstein dabei!

Das Bündnis Windpark Winterstein begrüßt, dass die Stadtverordnetenversammlung in Friedberg am 17. Februar 2022 der Errichtung eines Windparks auf dem Winterstein zugestimmt hat. Der Weg für eine gemeinsame Planung zwischen Hessenforst, Bundesforst und den anderen beteiligten Kommunen wird damit frei. Es hat sich gelohnt, dass sich das Bündnis beharrlich gegen den alten Bebauungsplan engagierte, der sich als rechtswidrig herausgestellt hat. Wir brauchen gerade in Hessen einen deutlichen Ausbau der Windenergie für den Ausstieg aus der Kohle und für den Klimaschutz. Ein Windpark auf dem Winterstein ist dazu ein wichtiger Beitrag. Wir begrüßen daher, dass die Blockadehaltung um den Winterstein aufgegeben wurde und sich eine Mehrheit für den Windenergiepark abzeichnet. Ober-Mörlen wird voraussichtlich am 3. März entscheiden und Wehrheim, das bisher abseits steht, hat auch später noch die Chance sich zu beteiligen.

Gemeinsame Planung für möglichst viel Windstrom

Erfreulich ist auch, dass die Bundes- und Landesforstverwaltungen Ausschreibungen für Windenergieanlagen in Aussicht gestellt haben und immer mehr Projektierer und potentielle Investoren Interesse zeigen. Eine gemeinsame Planung unter Einbeziehung aller Eigentümer, Kommunen und der Bürgerschaft ist für uns von zentraler Bedeutung. Ziel muss ein energetisch optimierter Gesamtplan sein, wie es auch in der Absichtserklärung formuliert wurde. Anzustreben ist daher, dass Hessen- und Bundesforst gemeinsam mit den Kommunen agieren und auch die Menschen vor Ort frühzeitig einbeziehen.

Windenergie hilft bei Aufforstung

Positiv werden auch die Neuregelungen der Bundesregierung zur Flugsicherung beurteilt, dank derer Baubedenken für Windkraftanlagen auf dem Winterstein entfallen. Von der 414 ha umfassenden Gesamtfläche werden maximal 10 ha von den Windrädern beansprucht, am besten auf den durch Klimawandel geschädigten Waldflächen. Über 400 ha werden somit als Natur- und Erholungsraum verbleiben und die Aufforstung könnte aus den Erträgen der Windstromerzeugung finanziert werden.  Der Windpark würde dann einen Beitrag dazu leisten, dass es den Bäumen, bedingt durch ein verbessertes Klima, wieder etwas besser geht.

Bürgerbeteiligung durch Rendite und Strombezug

Zentrales Ziel des Bündnisses ist die Bürgerbeteiligung. Wer einen Strombezug vom Winterstein oder einen Geldbezug von einer Anlage erhält, wird auch einen guten Bezug zum Projekt haben. Neben Renditen aus direkten Investitionen von Bürger:innen und Kommunen soll es für Anwohner:innen im Umkreis des Windparks auch möglich werden, den Strom zu einem günstigeren Tarif zu erhalten. Derzeit treibt Kohlestrom die Preise hoch. Mit mehr Wind- und Solarstrom wird Strom wieder preiswerter. Zudem können Kommunen aufgrund von Gesetzen ca. 25.000 € im Jahr pro Anlage erhalten. Pachteinnahmen von Hessenforst werden teilweise an Kommunen weitergegeben. Unser Ziel ist daher nicht nur Akzeptanz, sondern auch konkrete Bürgerbeteiligung. Das Bündnis bereitet dazu Angebote gemeinsam mit dem Landesnetzwerk der Energiegenossenschaften (LaNEG) vor, damit die Anlagen auf dem Winterstein zu Bürgerenergieanlagen werden!

Das Bündnis Windpark Winterstein mit seinen 29 Partnerorganisationen versteht sich als Anwalt für Klima- und Naturschutz, Energiewende und die Belange der Anwohner:innen um den Winterstein. Das Bündnis bietet daher weiterhin allen Beteiligten seine Unterstützung an.

Für das Bündnis Windpark Winterstein: Dr. Werner Neumann (BUND, Kreisverband Wetterau), Diethardt Stamm (Energiebildungsverein), Hans-Dieter Wagner (Querstellen-Friedberg)

Windparkbegehung in Grävenwiesbach

Am Sonntag, dem 7. November 2021 führte das Bündnis Windpark Winterstein eine zweite Windpark-Exkursion, diesmal zum Windpark Siegfriedeiche in Grävenwiesbach durch. Der Spaziergang bot den 85 Teilnehmenden die Möglichkeit, einen Windpark im Wald  möglichst hautnah zu erleben und fachkundige Informationen zu erhalten. „Damit wollen wir zu einer Versachlichung der Diskussion um die Windkraft beitragen“, sagte Hans-Dieter Wagner bei der Begrüßung im Name der 29 Partnerorganisationen. Am Fuß der Windräder gab es entsprechend reichliche Informationen zu Technik, Flächenbedarf, Vogelschutz etc. Auch Fragen der 85 Teilnehmenden wurden beantwortet.

Diethardt Stamm vom Energiebildungsverein stellte einige der nächsten Schritte des Bündnisses Windkraft Winterstein vor, mit denen man einer Bebauungsplanung näher kommen möchte. So sollen die bisher intern ermittelten 22 Windkraftanlagenstandorte noch in diesem Jahr mit Experten des potenziellen Investors ABO Wind besprochen werden. Ähnliches wird dann im Januar für eine weitere Meinungsbildung mit den Fachleuten von EnBW als weiterem möglichem Investor abgeklärt. Stamm verwies auch auf eine neue Umfragestudie zur Akzeptanz der Windenergie an Land. Nach dieser erklären 80 % der Bevölkerung Windkraft als wichtig und 91 % möchten „frühzeitig und angemessen“ über die Planungen informiert werden. 79 % wollen eine Beteiligung der Kommunen und mindestens teilweise eine Umsetzung als Bürgerenergieprojekt. „Wir betrachten diese Studie für unser Bündnis genauso wie für die beteiligten Kommunen als Aufgabe für die nächsten Realisierungsphasen auf dem Winterstein“ sagte Stamm.

Hans-Dieter Wagner von Querstellen-Friedberg erläuterte den Flächenbedarf von Windrädern im Wald. Er beträgt dauerhaft etwa 0,5 ha (5000 m²), der Betonsockel umfasst ca. 300 m², Kranstellfläche und Wege werden lediglich geschottert und nicht versiegelt. Veränderungen des Wasserhaushaltes im Wald treten hierdurch nicht ein. Windkraft beansprucht im Verhältnis zu anderen Formen der Energiegewinnung, z.B. im Vergleich zur Braunkohle, sehr viel weniger Fläche. Für die genutzten Waldflächen, auch wenn es Windwurfflächen sind, werden Aufforstungen oder andere Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt.

Dr. Werner Neumann vom BUND betonte, dass für den Ausbau der Windenergie im Wald in Hessen maximal 0,1 % der Waldfläche benötigt würde. Alle vorhandenen Waldwege würden hingegen 5-10 % des Waldes einnehmen. Zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen sei ein mehrstufiges Verfahren erfolgt. Zunächst werden Vorranggebiete von 2 % der Landesfläche, wie am Winterstein, festgelegt, wo viel Wind weht und Schwerpunkträume geschützter Arten ausgenommen worden seien. Dann erfolgt die Genehmigungsplanung, bei der im Gebiet alle relevanten Arten genau untersucht werden. Falls erhebliche Beeinträchtigungen zu erwarten seien, würden – wie in Grävenwiesbach – zeitlich begrenzte Abschaltungen erfolgen. Da dies meist im Sommer erfolge, wäre der Verlust von Energie gering. Schließlich würden die Betreiber Maßnahmen zur Förderung gefährdeter Arten durchführen, die auch unter vielen anderen Einwirkungen leiden würden. So profitiere auch der Naturschutz in der Region von der Windenergie. Durch den Ersatz von Kohlestrom würde ein zentraler Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Dies diene auch dem globalen Naturschutz, da sich Pflanzen und Tiere nicht an den rasanten Klimawandel anpassen könnten.

Bürgermeister Roland Seel (CDU) von Grävenwiesbach
Bürgermeister Roland Seel

Besonders begrüßt wurde Bürgermeister Roland Seel (CDU) aus Grävenwiesbach, der erläuterte, wie die Entscheidungen zugunsten des im Mai 2020 eingeweihten Windparks gefallen sind. Der finanzielle Nutzen für die Gemeinde sei entscheidend gewesen. Die Gemeinde profitiere durch Pachteinnahmen und Gewerbesteuer. Die Bevölkerung war von Beginn an eingebunden und konnte sich über einen „Windsparbrief“ finanziell beteiligen. Die Sparbriefe in Höhe von insgesamt 500.000 € waren innerhalb eines Tages vergriffen. Künftig sei denkbar, dass die Bürger:innen auch Strom von den Anlagen günstiger beziehen könnten. Man werde die Welt zwar allein durch diesen Windpark nicht retten, leiste aber verantwortungsvoll einen eigenen Beitrag zur Bekämpfung der Klimaerhitzung. Alle 6 Windräder stehen auf dem Gebiet der Gemeinde Grävenwiesbach, drei auf Gemeindegebiet, drei auf Gebiet von HessenForst. Aktuell wird der Bau von zwei weiteren höhere und damit leistungsstärkeren Windenergieanlagen überlegt, die neben der CO2-Einsparung auch deutlich höhere Einnahmen erbringen würden. Herr Seel ist recht zuversichtlich, dass es zu einer Realisierung kommen wird. Bei seinem Vortrag betonte er mehrfach, dass er selbst sich bei der Entstehung des Windparks stets als Moderator sah, der lediglich begründete Vorschläge unterbreitete, über die aber das Gemeindeparlament entscheiden musste. Dank seines Engagements und der offenbar gelungenen Kommunikation mit Befürwortern und auch Gegnern der Windkraft hat Grävenwiesbach heute einen deutlichen Vorsprung gegenüber anderen Kommunen.

Teilnehmende bei der Begehung des Windparks in Grävenwiesbach. Fotos: Tim Wagner

Eine so pragmatische und zupackende Haltung wünschten sich viele der Teilnehmenden auch von der Politik in den Anrainerkommunen um den Winterstein. Durch die bisherige Windenergie-Verhinderungspolitik wurde in den letzten 10 Jahren nicht nur die Klimaerhitzung weiter vorangetrieben, sondern den Bürger:innen wurden auch Einnahmen vorenthalten, mit denen die Kommunen ihre Finanzsituation hätten verbessern können. Da auch Politiker verschiedener Parteien anwesend waren, hofft das Windpark-Bündnis, dass das Umdenken für die Windenergie am Winterstein durch die positiven Erfahrungen, wie sie z.B. in der Gemeinde Grävenwiesbach gemacht wurden, beschleunigt wird.

Begehung des Windparks Grävenwiesbach

Windparkbegehung Grävenwiesbach mit voraussichtlichem Rundgang

Liebe Bürger:innen und Windenergieinteressierte,

das Bündnis Windpark Winterstein setzt seine Exkursionen zu Windparks in der Region fort und lädt Sie ganz herzlich dazu ein.

Am 7. November 2021 findet um 14 Uhr eine Begehung des Windparks „Siegfriedeiche“ in Grävenwiesbach statt.

Besonders erfreulich ist, dass Bürgermeister Roland Seel (CDU) aus Grävenwiesbach über die Entstehung des Windparks und seinen Nutzen für die Kommune berichten wird. Er und Sprecher:innen des Bündnisses Windpark Winterstein werden gerne Fragen der Teilnehmenden, z.B. zu Flächenbedarf, Naturschutz, Bürgerbeteiligung, ökologischem und ökonomischem Nutzen etc. beantworten. Da das Waldgebiet dem Winterstein ähnelt, kann man einen guten Eindruck gewinnen, wie ein zukünftiger Windpark auf dem Winterstein aussehen könnte. Die max. zweistündige Begehung ist für Laien, Fachleute und Kommunalpolitiker:innen gleichermaßen interessant.

Bitte beachten Sie die aktuellen Corona-Regeln und melden Sie sich deshalb möglichst auch kurz unter querstellen-friedberg@t-online.de an. Danke. Hier geht es zur Einladung mit Lagekarte.

Windkraft zum Anfassen – Begehung eines Windparks bei Wächtersbach

Das Bündnis Windpark Winterstein organisierte am 18. September in Kooperation mit dem Landesnetzwerk der Energiegenossenschaften in Hessen eine Exkursion zum Windpark „Vier Fichten“ bei Wächtersbach.

Aufgrund seiner Lage mitten im Wald, auf einem Bergrücken, der annähernd die Höhe des Wintersteinkamms besitzt, konnten die über 60 Teilnehmenden einen gute Vorstellung von einem zukünftigen Windpark auf dem Winterstein entwickeln. Mit dieser Begehung leistete das Bündnis einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion um die Windkraft. Die oft von Gegnern verbreiteten Horrorvisionen von zubetoniertem Wald, Lärm und Naturzerstörung relativierten sich vor Ort sehr rasch. Die 12 Windenergieanlagen sind in den Wald eingebettet und beeinträchtigen andere Funktionen des Waldes nur minimal. Der Windpark ist inzwischen geradezu eine Attraktion für Wanderer geworden. Es wird sehr deutlich, dass der Nutzen einer sauberen, CO2-freien Energiegewinnung den Eingriff in die Natur bei Weitem übertrifft.

Jürgen Staab vom Landesnetzwerk der Energiegenossenschaften Hessen (LaNEG) informierte über die Entstehung des Windparks „Vier Fichten“, gab allgemeine Informationen zum Windpark und beantwortete die vielen Fragen der Teilnehmenden. Erste Planungsgespräche fanden im Jahr 2012 statt und 2013/14 wurden durch die in der Region ansässige Firma „Renertec“ 12 Windenergieanlagen mit je 3 MW Nennleistung errichtet, wobei 7 Anlagen auf dem Gelände von Wächtersbach und 5 in Gründau stehen. Insgesamt können sie für bis zu 70.000 Menschen CO2-freien Strom produzieren. Die Teilnehmenden erfuhren zahlreiche Details, u.a. dass bereits nach 4 Monaten Betriebszeit das bei Herstellung der Anlage entstandene CO2 wieder eingespart ist. Obwohl Abschaltautomatiken vorhanden sind, die bei bestimmten Wetterlagen und zum Schutz von Fledermäusen die Windräder stoppen, beträgt die Abschaltzeit lediglich 0,2%.

Juergen-Staab-Vorsitzender-des-Landesnetzwerkes-der-Energiegenossenschaften-beantwortet-Fragen-zum-Windpark-Vier-Fichten-

Diethardt Stamm vom Energiebildungsverein forderte dazu auf, jetzt rasch in konzertiertem Vorgehen den Windpark Winterstein zu entwickeln und dabei das Bündnis Windpark Winterstein als breites Bürger:innen-Bündnis mit einzubeziehen. Aktuell diskutiere man schon wieder in den vier betroffenen Kommunen eine sog. Absichtserklärung, verzögere  das Verfahren durch Verschiebungen in Ausschüsse und nehme das dann sogar „aus aktuellen Gründen“ wieder in Kommunalparlamenten von der Tagesordnung. „Man könne zwar die Angst mancher Kommunalpolitiker:innen vor der Bundestagswahl teilweise nachvollziehen, aber darüber habe die Verantwortung für die Bevölkerung, die Natur und das Klima zu stehen“, sagte Diethardt Stamm. Deshalb werde man direkt nach der Wahl neue Analysen zur Bebauung der Fläche auf dem Winterstein veröffentlichen und noch einmal versuchen, mit den verschieden Flächeneigentümern gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Dabei werde man auch das hessische Umweltministerium zur Vermittlung mit einbinden. Eventuell könnte der entstehende Windpark auch gänzlich oder teilweise durch ein Konglomerat von Energiegenossenschaften in Hessen finanziert und erworben werden. Hierbei könnte auch das Landesnetzwerk (LaNEG), in dem 30 Energiegenossenschaften hessenweit organisiert sind, Unterstützung leisten.

Dr. Werner Neumann vom BUND unterstrich die Notwendigkeit eines raschen Ausbaus der Windenergie, ohne die die notwendige Energiewende nicht zu schaffen ist. Er stellte klar, dass die Windenergie mehr von der Politik als vom Wind abhängig ist. Er erläuterte auch, dass Windkraft dem Wald hilft und nicht schadet. Nicht nur durch die CO2-Reduktion, sondern auch z.B. durch die als Ausgleichsmaßnahmen vorgenommenen Aufforstungen. Vom tatsächlichen Flächenbedarf eines Windrades, der bei Weitem nicht so hoch ist wie von den Gegnern immer dargestellt, konnten sich die Teilnehmenden direkt vor Ort einen guten Eindruck verschaffen.

Geschäftsführer Stefan Heimrich erläutert die Windradtechnik und die Teilnehmenden haben Gelegenheit die 'Schöne Gela' zu besichtigen.

Zum Schluss der Wanderung hatten die Teilnehmenden dann Gelegenheit, die „Schöne Gela“, das Windrad der Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal eG, kennenzulernen und sogar von innen zu besichtigen. Geschäftsführer Stefan Heimrich erläuterte die Technik der „Schönen Gela“.  Ihre Nabenhöhe beträgt 140 m und der Rotordurchmesser 112 m. Obwohl sie somit deutlich kleiner ist als heute errichtete Anlagen, liefert sie jährlich im Schnitt rund 6.000.000 kWh Strom, insgesamt inzwischen ca. 45.000.000 kWh.  Die genauen technischen Daten der „Schönen Gela“ sind hier nachzulesen. Der Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal gelang es, innerhalb von nur 6 Wochen ca. 1,5 Millionen € als Grundstock für den Kauf des Bürgerwindrades einzusammeln, das aktuell etwa 4% Rendite abwirft, wobei die Tendenz steigend ist, denn die Kreditzinsen sinken ja kontinuierlich. 130 Bürger:innen aus den umliegenden Kommunen sind an der „Schönen Gela“ beteiligt. Das Windrad befindet sich mit allen 12 Anlagen in einem gemeinsamen „Pool“, damit Einnahmen und Risiken gleichmäßig verteilt werden.

Hans-Dieter Wagner u.a. Redner erinnerten auch an die bevorstehende Bundestagswahl, die entscheidende Bedeutung für die Eindämmung der Klimakatastrophe hat. Energiewende und Klimaschutz dürften ökonomischen und sozialen Interessen nicht nachgeordnet werden. Die Folgen des menschengemachten Klimawandels und die unvorstellbaren Kosten treffen vor allem die sozial Schwächeren. Es gelte daher Parteien zu wählen, die den Schutz des Klimas als vorrangig verstehen und nicht nur mit Einschränkungen vertreten. Auch zur Unterstützung des am 24. September stattfindenden Klimastreiks von Fridays for Future wurde aufgerufen.