Nach 13 Jahren schaltet Querstellen-Friedberg auf „Standby“

13 Jahre lang hat sich Querstellen-Friedberg gegen Atomkraft gestellt und mit zahlreichen Aktivitäten, z.B. Mahnwachen, Straßenaktionen, Demonstrationen, Diskussionsveranstaltungen etc. die Anti-Atom-Bewegung unterstützt. Auch wenn noch viel zu tun bleibt, ist das Kernziel, alle Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten, erreicht. Trotz vielfältiger Versuche von Atombefürwortern und rechten Parteien, eine Renaissance der Atomkraft herbeizureden, ist ein solches Szenario äußerst unwahrscheinlich. Zu groß sind die Kosten, die Risiken und das Problem der Endlagerung, die damit verbunden wären. Querstellen-Friedberg wird daher nach 13 Jahren auf „Standby“ schalten und keine regelmäßigen Aktionen mehr durchführen. Das allgemein zurückgehende Interesse angesichts der vielfältigen Krisen, das nachlassende Engagement der Mitwirkenden und auch ihr zunehmendes Alter legen diesen Schritt nahe. Wir danken allen, die unsere Aktivitäten die ganzen Jahre unterstützt haben.

„Standby“ heißt aber auch, dass wir bereit sind, bei Bedarf die Aktivitäten wieder „hochzufahren“. Denn selbstverständlich werden wir aufmerksam die kommende Entwicklung beobachten und uns vielleicht auch gelegentlich einmischen, um die notwendige Energ!erevolut!on sowie Natur- und Klimaschutz zu unterstützen.

Unsere Monatstreffen im Pastis bleiben auch ohne den Anspruch auf Planung von Aktionen bestehen (s. Termine).  Sie  bieten allen Interessierten die Möglichkeit zum zwanglosen Austausch über aktuelle Ereignisse. Auch diese Website bleibt als Archiv und für gelegentliche Beiträge erhalten. Sie wird in ausschließlicher Verantwortung des Autors weitergeführt, was allerdings nicht ausschließt, dass auch Gastbeiträge veröffentlicht werden können. Informationen des Windpark-Winterstein-Bündnisses oder Hinweise auf wichtige Veranstaltungen werden weiter eingestellt, weshalb ein gelegentlicher Besuch der Seite zu empfehlen ist. Rundmails werden jedoch sicherlich nur noch in seltenen Ausnahmefällen verschickt. Wer aufgrund dieser Veränderungen aus dem Verteiler gestrichen werden möchte, möge dies gegebenenfalls bitte kurz per Mail mitteilen. Anregungen und Vorschläge zu einer punktuellen Zusammenarbeit bei verschiedenen Themen werden natürlich auch weiterhin entgegengenommen. Bleiben Sie auch 2024 aktiv. Gerade in dieser „dunklen Zeit“ der vielen Krisen ist jede*r Einzelne gefordert.

Alarmstufe Orange-Rot

Das Abschalten der letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland ist ein hart erkämpfter Erfolg der Menschen, die sich über Jahrzehnte bei der Atomkraft querstellten. Das atomare Risiko hat sich dadurch verringert, auch wenn die Atomfabriken in Lingen und Gronau noch immer produzieren,  weiterhin strahlender Atommüll in unsicheren Zwischenlagern herumsteht und ein Endlager für die tödliche Hinterlassenschaft noch lange nicht in Sicht ist.

Aber rechte Freude über den Atomausstieg kann nicht aufkommen, denn immer häufiger leuchtet – wie bei den Klimastreifen von Ed Hawkins – die Alarmstufe Orange-Rot auf und die Warnsirenen schwellen zu einem schrillen Dauerton an. Die Klimakrise spitzt sich in atemberaubendem Tempo zu. Täglich erreichen uns neue Schreckensmeldungen: Hitzerekorde, die höchsten Temperaturen seit Aufzeichnungsbeginn, Meeresspiegelanstieg, Dürren selbst in gemäßigten Breiten, austrocknende Flüsse, Waldbrände und Überschwemmungen. Der Erdüberlastungstag wird von Jahr zu Jahr früher erreicht, das arktische Meereis schwindet, die verbliebenen Inlandgletscher sind bald nur noch Fotoerinnerungen vergangener Generationen und die Permafrostböden tauen. Wasserknappheit, Überschreitung der Erderhitzung über 1,5 Grad, Artenaussterben, eine wachsende Zahl von Klimaflüchtlingen und unmenschliche Methoden, ihnen den Zugang zu verwehren, sind düstere Bestandteile einer sich real vollziehenden Apokalypse. Die von Wissenschaftlern berechneten Szenarien werden immer häufiger von der Realität überholt und sind inzwischen für uns alle spürbar.

Seit Generationen heizen die Menschen in den reichen Industrieländern durch ihre verschwenderische Lebensweise die Erde auf. Rasend schnell steuern wir auf Kipppunkte zu, die unumkehrbar den Zustand unseres Planeten verändern. Beschlossene Klimaziele werden gebrochen oder zumindest stark reduziert. Statt die Notbremse zu ziehen, wird versucht, möglichst lange an der gewohnten Lebensweise festzuhalten. Diejenigen, die mahnen und mit Methoden des zivilen Ungehorsams gegen Kohleabbau oder für eine Verkehrswende eintreten, werden kriminalisiert. So wird trefflich von den wirklich für die Krise Verantwortlichen abgelenkt. Das auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruhende, einem grenzenlosen Konsum und Wachstum huldigende, kapitalgetriebene Wirtschaftssystem passt sich elegant den sich verändernden Verhältnissen an. Mit neuen Technologien und geschicktem Greenwashing profitieren weiterhin die Konzerne, die für den jetzigen Zustand verantwortlich sind.

Zugegeben, es fällt schwer, die Dimension der Menschheitskrise zu erfassen. Gegen die düstere Perspektive wehrt sich unser Gehirn durch massive Verdrängung. Wir flüchten in die unbegründete Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm kommen wird. Aber solange wir uns das Ausmaß der Krise nicht eingestehen, werden die Maßnahmen halbherzig bleiben, und wir rasen weiterhin auf den Abgrund zu. Die bevorstehende Transformation ist die größte Herausforderung seit Bestehen der Menschheit. Die industrielle Revolution vollzog sich vergleichsweise langsam, die sog. digitale Revolution erscheint geradezu unbedeutend gegenüber der bevorstehenden Energierevolution – eine Bezeichnung, die z.B. auch von Peter Hennicke oder Volker Quaschning verwendet wird. Gelingt in den nächsten Jahren nicht der rasche Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen und die vollständige Dekarbonisierung, wird sich das Antlitz der Erde auf dramatische Weise verändern und ein Leben für uns Menschen in erträglicher Weise nicht mehr möglich sein.

Leisten wir daher unseren Beitrag zur Energ!erevolut!on und unterstützen wir alle diejenigen ohne Wenn und Aber, die sich dafür einsetzen! Vielleicht ist ein anderes, sogar glücklicheres Leben im Einklang mit der Natur, ohne ausufernden Konsum und Ressourcenverbrauch, ohne Egoismus, Gier und Konkurrenz, stattdessen solidarisch und gemeinwohlorientiert möglich? Nicht die aktuelle Bundesregierung ist an der Menschheitskrise schuld!  Sie hat aber die Aufgabe, sie mit wirksamen Maßnahmen zu bekämpfen. Notwendige Schritte zur Krisenbewältigung dürfen nicht ausgebremst werden, sondern die Politiker*innen müssen ermutigt werden, die Energ!erevolut!on voranzutreiben. Wer sich allerdings in Parlamenten und anderen verantwortlichen Positionen an eine unwiederbringliche Vergangenheit klammert, ist nicht mehr tragbar. Wir brauchen mutige Menschen, denn noch ist keineswegs sicher, ob die Transformation gelingt. Ein gemeinsamer Versuch ist es aber allemal wert. Wir wollen mit dazu beitragen und haben nach dem Ausstieg aus der Atomkraft die Kopfleiste unserer Website entsprechend angepasst. Wir werden uns weiter querstellen, dort wo es erforderlich ist, und gleichzeitig aufbrechen, um für eine bessere Welt einzutreten.

QUERSTELLEN und das GELBE X – Zum zehnjährigen Bestehen von Querstellen-Friedberg

10 Jahre QuerstellenDie Zeit vergeht schnell und 10 Jahre erscheinen manchmal schon als lange Zeit, in der viel vergessen wird. In diesem Beitrag wollen wir deshalb erklären, woher unser Namen QUERSTELLEN und unser Logo, das GELBE X, kommen. Der Name „Querstellen“ irritiert heute gelegentlich Menschen, da er so ähnlich klingt wie die seit kurzem aufgetauchten „Querdenker“, mit denen wir absolut nichts gemein haben. Es gab sogar schon den wohlmeinenden Rat, wir sollten uns doch umbenennen, um Missverständnissen vorzubeugen. Querstellen klänge ja auch so negativ, wir sollten uns doch einen positiver klingenden Namen geben.

Querstellen-Friedberg entstand Ende 2010 als Reaktion auf den Beschluss zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke durch die damals Schwarz-Gelbe-Bundesregierung. Querstellen gegen die Castortransporte nach Gorleben und gegen den Ausstieg aus dem Atomausstieg war zu dieser Zeit das Motto bundesweiter Kampagnen. Das GELBE X ist das Symbol des Widerstands im Wendland, wo es in vielen Vorgärten steht, um weithin sichtbar die Ablehnung des Atommüll-Lagers in Gorleben und den Widerstand gegen die Atompolitik zu bekunden. QUERSTELLEN und das GELBE X ergaben sich folgerichtig als Ausdruck unserer Solidarität mit dem Kampf im Wendland und der Ablehnung der Atomkraft, deren Ausstieg ja bereits einmal – wenn auch halbherzig – beschlossen war.

Aus naheliegenden Gründen haben sich die Aktivitäten von Querstellen inzwischen natürlich erweitert und unter „Querstellen“ steht jetzt der Zusatz „gegen Atom- und Kohlekraft“, denn auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist aufgrund der Klimakrise zwingend erforderlich. Das GELBE X ist längst auch in vielen Dörfern der Lausitz oder im Rheinland zum Symbol des Widerstands gegen den Braunkohleabbau und – unter dem Motto „Alle Dörfer bleiben“ – gegen das weitere Abbaggern der Dörfer geworden.

Unsere Kritik an der Atom- und Kohlekraft mündete folgerichtig in die Forderung nach der Energiewende und dem schnellstmöglichen Wechsel zu 100 % erneuerbare Energien. Daraus ergibt sich auch unser Engagement für eine dezentrale Windenergiegewinnung hier vor Ort. Der sich dramatisch beschleunigende Klimawandel führt uns inzwischen deutlich vor Augen wie existenzbedrohend der starke Ausstoß von Klimagasen durch den Menschen ist. In allen Sektoren, nicht nur bei der Energiegewinnung, sondern auch in Industrie und Handel, beim Verkehr, in der Landwirtschaft und beim Wohnen muss die Dekarbonisierung massiv vorangetrieben werden.

Positive gesellschaftliche Veränderungen können nur aus der Kritik an den unzulänglichen Verhältnissen und dem Widerstand gegen sie erwachsen. QUERSTELLEN und das GELBE X werden also weiterhin gebraucht, um der unverantwortlichen Ausplünderung und Zerstörung unseres Planeten entgegenzutreten. Mit großer Überzeugung und erhobenen Hauptes tragen wir den Namen QUERSTELLEN und unser Logo daher auch weiterhin und versuchen diejenigen zu unterstützen, die für die Rettung des Klimas, den Schutz der Natur und für eine ökologische, soziale und demokratische Welt eintreten. Wir sind parteipolitisch ungebunden, was aber keineswegs bedeutet, dass es aufgrund unserer Grundüberzeugungen nicht unterschiedliche Schnittmengen mit etablierten Parteien und politischen Gruppierungen gibt.

Sicher ist zunächst auch nichts gegen „kritisches Querdenken“ einzuwenden, wer jedoch kritische Begriffe pervertiert, zukunftsorientierte soziale Bewegungen und ihre Ausdrucksformen zu kapern versucht, um seine reaktionäre, geschichtsverfälschende und faschistische Gesinnung zu verbreiten, stößt auf unsere tiefe Verachtung. Mit Querdenkern, Reichsbürgern, Identitären, QAnon-Anhängern, Verschwörungsideologen, Geschichtsrevisionisten, Rechtsextremisten, Faschisten, NPD, AfD oder wer immer zu den neuen Rechten zu zählen ist, hat QUERSTELLEN sicher rein gar nichts zu tun.

Auf ein aktives 11. Jahr!

Neue Menüleiste auf unserer Website

Liebe Besucher*innen unserer Website,

da im Verlauf unseres Bestehens inzwischen doch zahlreiche Beiträge zusammengekommen sind, haben wir in der Menüleiste unserer Website neue Kategorien mit Themenschwerpunkten angelegt. Die alte Sammelkategorie Aktionen wurde durch Atom+Kohle, Wind+Sonne, Klima+Energiewende und Anderes ersetzt, um die Suche nach bestimmten Themen etwas zu erleichtern. Auf Unterkategorien verzichten wir, um Ihnen allzu lästiges Herumklicken zu ersparen.
Neben dem Start-Menü bleiben weiterhin auch die Kategorien Fotos (vorher Bilder), Material, Archiv, Termine und Über uns erhalten. Innerhalb der Kategorien sind die Beiträge chronologisch geordnet. Wer ungefähr die Erstellungszeit eines Beitrags kennt, kann auch gut im Archiv suchen. Wir bitten um Verständnis, dass das Umsortieren einige Zeit in Anspruch nehmen wird und natürlich nicht für jeden Beitrag immer eine ideale Kategorie gefunden werden kann.

Datenschutzerklärung von Querstellen

Datenschutzerklärung von Querstellen-Friedberg zur Erhebung und Nutzung personenbezogener Daten:

1. Zum Selbstverständnis von Querstellen und zum Umgang mit Daten.
Querstellen-Friedberg ist eine Interessengemeinschaft von Menschen, die sich für den Atom- und Kohleausstieg, für erneuerbare Energien und den Klimaschutz engagieren.
Der Schutz Ihrer persönlichen Daten war uns bereits vor Inkraftsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 wichtig.
Sie können ohne Preisgabe von persönlichen Daten unsere Website besuchen oder sich an unseren Aktivitäten beteiligen. Auch wenn Sie über E-Mail mit uns Kontakt aufnehmen, wird Ihre E-Mail-Adresse lediglich zur Beantwortung Ihres Schreibens verwendet und nicht dauerhaft gespeichert.

2. Aufnahme in unseren Infoverteiler.
Wer in den E-Mail-Verteiler von Querstellen aufgenommen werden möchte, um Informationen von Querstellen-Friedberg zu erhalten, muss dies schriftlich erklären:
Dies kann entweder bei Aktivitäten von Querstellen auf unserem Vordruck „Bitte um Aufnahme in den E-Mail-Verteiler von Querstellen-Friedberg“ oder auch per E-Mail erfolgen. Dazu sind lediglich die Angabe von Vor- und Nachname und E-Mail-Adresse erforderlich. Angaben über Adresse oder Telefon sind freiwillig und erleichtern gegebenenfalls die Kommunikation.
Ihre Daten werden lediglich verwendet, um Sie gelegentlich per E-Mail über Aktivitäten von Querstellen zu informieren oder evtl. zu Veranstaltungen mit unseren Themenschwerpunkten einzuladen. Wir gehen mit dem Versenden von E-Mails sehr zurückhaltend um und verschicken keine regelmäßigen Newsletter. Jede*r ist eingeladen, sich aus eigenem Antrieb auf unserer Website zu informieren.
Wer schon früher um Aufnahme in unseren E-Mail-Verteiler gebeten hat, erhält auch zukünftig Informationen von Querstellen. Wer aus dem Infoverteiler gelöscht werden möchte, kann uns dies formlos per E-Mail mitteilen, woraufhin die gespeicherten Daten gelöscht werden.

3. Weitergabe und Schutz Ihrer Daten.
Wir haben technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz Ihrer Daten getroffen. Ihre persönlichen Daten werden ausschließlich zu den unter 1. und  2. genannten Zwecken genutzt. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergeben und niemand Unbefugtes hat Zugriff auf sie.

4. Auskunft über personenbezogene Daten, deren Änderung oder Löschung.
Unter querstellen-friedberg[at]t-online.de erhalten Sie Auskunft über die gespeicherten Daten. Hier können Sie auch eine Änderung oder Löschung veranlassen.

Querstellen bedankt sich für Ihr Vertrauen.
Friedberg, Dezember 2018

Ergänzung zum Selbstverständnis

Liebe Leser*innen,
wesentliche Grundüberzeugungen unseres Aktionsbündnisses finden sich knapp und treffend in einem aktuellen Buch von Claudia Kemfert zusammengefasst, weshalb wir uns erlauben daraus einen Abschnitt zu zitieren. Claudia Kemfert ist eine renommierte Energie-, Klima- und Verkehrsexpertin, Beraterin in vielen umweltpolitischen Organisationen, hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW Berlin) und ist Mitglied im Präsidium des Club of Rome.
Der Textauszug stammt aus ihrem Buch „Das fossile Imperium schlägt zurück“, das 2017 im Murmann-Verlag veröffentlicht wurde. Wir empfehlen Ihnen dringend die Lektüre dieses Buches, denn es leistet einen wichtigen Beitrag zum aktuellen Stand der Energiewende:

„Die Energiewende ist unausweichlich. Das Ende des fossilen Zeitalters und die Dekarbonisierung der Wirtschaft sind nicht mehr aufzuhalten. Genauso wenig wie wir unsere Wohnungen privat noch mit Kohleöfen heizen werden, wird man in einigen Jahrzehnten noch Strom in Kohlekraftwerken erzeugen. Die Kosten für die erneuerbaren Energien werden weiter sinken, die wirtschaftlichen Chancen sind enorm. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien.
Die alles entscheidende Frage jedoch ist: Wie lange brauchen wir noch, um aus dieser Erkenntnis die Konsequenz zu ziehen und entschlossen zu handeln? Wie lange lassen wir uns auf dem Weg in eine andere Energiezukunft noch von der fossilen Industrie aufhalten? Wie lange hören wir uns die rückwärtsgewandten Argumente der alten Energiewelt noch an? Wie lange noch nehmen wir bei unserer Zukunftsplanung Rücksicht auf die ökonomischen Interessen der Konzerne von gestern? Wie viele Verzögerungen nehmen wir bei der Umstellung unserer Energieversorgung auf erneuerbare Energien in Kauf?
Je länger wir an der alten Energiewelt festhalten, desto teurer wird uns das zu stehen kommen. Denn genau wie jeder Tag, den wir mit der Umsetzung der Energiewende zögern, Gewinne in die Kassen der fossilen Industrie spült, wird uns jeder Tag, den wir ungenutzt verstreichen lassen, ein Vermögen kosten. Je länger wir warten, desto teurer kommt uns die Nutzung der dreckigen fossilen und der riskanten atomaren Energie zu stehen.
Wer seine Energiepolitik an den Interessen der fossilen Industrie ausrichtet und diese über die internationalen Klimaschutzziele stellt, nimmt mehr als kostspielige Umweltschäden und wirtschaftliche Schäden in Kauf. Denn wir steuern damit auch auf globalpolitischen Unfrieden zu. Unsere bisherige Energieversorgung und der energieintensive Lebensstil der Industrieländer gefährdet das ohnehin labile globale Gleichgewicht in vielerlei Hinsicht.“

Vgl. Claudia Kemfert: Das fossile Imperium schlägt zurück, Murmann Verlag, 2017, S. 123/124.

Unser Selbstverständnis

Liebe BesucherInnen unserer Homepage!
Das Friedberger Aktionsbündnis – Wir stellen uns quer wurde Ende 2010 als Reaktion auf die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gegründet. Auch in Friedberg und der Wetterau wollten wir gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung protestieren und uns den zahlreichen Anti-Atom-Gruppen in der Bundesrepublik anschließen. Unsere ersten Aktionen richteten sich im Dezember 2010 und Februar 2011 gegen die Castor-Transporte nach Lubmin und traten für den sofortigen Atomausstieg ein. Neben diesen lokalen Aktionen in Friedberg und Bad Nauheim mobilisierten wir auch für die bundesweite Großdemonstration in Stuttgart, um gemeinsam mit der Anti-Atom-Bewegung die Bundesregierung zu zwingen, den Beschluss zur Laufzeitverlängerung zurückzunehmen und die Atomkraftwerke abzuschalten. (Vgl. Berichte und Fotos.) Es bedurfte bedauerlicherweise der Katastrophe am 11. März 2011 in Fukushima, damit die Bundesregierung endlich ihren eklatanten Fehler erkannte und nicht zuletzt aus Furcht vor dem Machtverlust in letzter Minute eine Kehrtwende vollzog. Das Friedberger Aktionsbündnis begrüßt das sofortige Abschalten der ältesten Reaktoren, ist sich aber gleichzeitig darüber bewusst, dass der Ausstiegsbeschluss eine „Mogelpackung“ ist, denn viele Atomkraftwerke sollen jetzt sogar noch länger laufen als schon von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen worden war. Laufzeiten bis 2022 und die weitere Produktion von geschätzten 2,5 Millionen kg hochradioaktivem Atommüll stellen ein unverantwortliches Risiko dar und können von uns nicht akzeptiert werden.
Wir setzen unsere Aktivitäten aber auch deshalb fort, weil bis zum Abschalttermin des letzten Atomkraftwerks sicher noch mit einigen Versuchen zu rechnen ist, den Ausstiegsbeschluss ein weiteres Mal rückgängig zu machen. Wir wollen auch zukünftigen Regierungen jegliche Lust auf solche Versuche nehmen.
Allerdings will sich das Friedberger Aktionsbündnis nicht damit begnügen, lediglich den sofortigen Atomausstieg zu fordern, sondern wir wollen uns in Zukunft auch verstärkt für eine beschleunigte Energiewende vor Ort einsetzen. Wir treten dafür ein, die Energieversorgung in der Wetterau schnellstmöglich und vollständig auf erneuerbare Energie umzustellen.
Wir würden uns freuen, wenn auch Sie sich für dieses Ziel engagieren und sich an unseren Aktionen beteiligen würden. Das Friedberger Aktionsbündnis lädt Sie herzlich dazu ein.

Für das Friedberger Aktionsbündnis
Christa Knoke-Wilhelm
Hans-Dieter Wagner

Wer wir sind

Im Friedberger Aktionsbündnis haben sich die unterschiedlichsten Menschen zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen die aktuelle Atompolitik zu protestieren.
Das Friedberger Aktionsbündnis ist überparteilich, denn wir wollen auch politisch nicht organisierten Menschen eine Möglichkeit bieten, sich gemeinsam mit anderen zu artikulieren. Alle DemokratInnen, die unseren Aktionskonsens unterstützen, sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Wir sind offen für Menschen aller politischen Gruppierungen. Eine Unterstützung von Parteien und anderen Organisationen mit gleichen oder ähnlichen Zielen ist willkommen, solange dadurch die Überparteilichkeit nicht gefährdet wird.
Ausdrücklich unerwünscht ist jedoch die Mitarbeit von Rechtsextremen.

Unser Aktionskonsens

Aus Verantwortung für uns selbst und zukünftige Generationen lehnt das Friedberger Aktionsbündnis die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken ab. Es setzt sich für einen sofortigen Atomausstieg und einen Wechsel zur regenerativen Energiegewinnung ein. Wir wollen die Anti-Atomkraft-Bewegung auch in unserer Region stärken und mit vielfältigen Protestformen für eine Änderung der gegenwärtigen Atom- und Energiepolitik eintreten.
Angesichts der Dreistigkeit der derzeitigen Bundesregierung sind wir auch zu Aktionen zivilen Ungehorsams bereit, um die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zum Überdenken ihrer Positionen zu ermuntern. Alle von uns ausgehenden Aktionen werden gewaltfrei sein, denn wir streiten für eine sichere, friedliche, demokratische und lebenswerte Zukunft. Dieses Ziel bestimmt auch unser Handeln. Niemand soll durch uns in Gefahr geraten oder verletzt werden. Jeder Einzelne entscheidet selbstverantwortlich, an welchen Aktionsformen er sich beteiligt. Unser Protest soll bunt, vielfältig und fröhlich sein. Mit Fantasie und Kreativität, aber auch mit Nachdruck und Entschlossenheit werden wir uns zu Wort melden. Alle Personen oder Gruppen, die diesen Aktionskonsens akzeptieren, sind herzlich willkommen.
(Friedberg/Hessen, 12.01.2011)