“Bündnis Windenergie Winterstein“ zu „UWG will keinen Beton im Wald“

Windenergie ist notwendig um Wälder und Natur zu retten! Eingriffe in den Wald sind minimal und kompensierbar!

Das Bündnis Windpark Winterstein nimmt die Reaktion von Herrn Durchdewald von der UWG Friedberg zum Anlass, einige grundlegende Fragen zur Windenergie richtig zu stellen.

Die UWG beschwert sich darüber, dass Windenergieanlagen sichtbar sind. Über die Auswirkungen der auch in der Wetterau noch weitverbreiteten Nutzung von Kohle- und Atomstrom schweigt sie. Windenergie brauchen wir, damit nicht noch mehr Atommüll entsteht, der nicht nur in Biblis unsicher gelagert ist und von dem keiner weiß, wohin. Wir brauchen Windenergie, um auch die Nutzung von Kohlestrom zu beenden. Dessen Emissionen durch Schadstoffe und Klimawandel tragen gerade zu dem Sterben der Wälder bei, das man auch am Winterstein leider beobachten kann. „Es wäre gut gewesen, wenn wir mit dem Klimaschutz früher angefangen hätten. Das hätte auch der Natur und den Wäldern geholfen!“ betont Volkmar Heitmann von „Wetterau im Wandel“.

Bezeichnend ist, dass die UWG nicht wahrnimmt, dass die Windkraftanlagen auf dem Winterstein mit bis zu 200 Millionen kWh den Strombedarf der vier Anliegerkommunen zu 70 Prozent abdecken können. Während das Bündnis über ein klares Energiekonzept verfügt, bei dem sich Windenergie und Solarstrom gut ergänzen, setzt der Friedberger UWG-Fraktionsvorsitzende Durchdewald offensichtlich darauf, dass in Friedberg und Umgebung weiterhin extrem umweltschädlicher Strom durch die Leitungen fließt, kritisiert Klaus Kissel vom Bürger:innenbündnis WIR.

Richtig ist der Hinweis, dass die Windenergieanlagen Nabenhöhen um ca. 120 m aufweisen werden und Rotordurchmesser von ebenfalls 120 m. Solch hohe Anlagen liefern mehr Windstrom und die Risiken für Vögel sind weitaus geringer als bei kleineren Anlagen. Und entgegen der Auffassung der UWG wurde der Winterstein als besonders windhöffiges Gebiet im Rahmen der Regionalplanung des Landes Hessen ausgewählt.

Im Wald würden Fundamente aus Beton und Stahl eingebracht werden, mit einem Durchmesser von ca. 30 m und einer Tiefe von 2-3 m. Eine Beeinträchtigung des Grundwassers ist daher nicht zu befürchten. Und ansonsten wird dies in Genehmigungsverfahren ohnehin behandelt. Dies entspricht einem minimalen Flächenanteil im Windenergievorranggebiet (450 ha) von 0,13 Prozent. Waldwege im Wald haben hingegen einen Anteil von 5-10 %. Und wenn für die Windenergieanlagen Bäume gerodet werden, erfolgen Aufforstungen.

Wer sich anschauen will, wie dies aussieht, kann gerne in Richtung Wächtersbach fahren ins Gebiet der „Vier Fichten“. Dort stehen seit einigen Jahren Windenergieanlagen im Wald. Es wurden für den Forstbetrieb bestehende Zufahrtswege verwendet. Zisternen wurden für den Brandschutz im Wald anlegt, die es zuvor nicht gab. Und am Rande der Aufstellflächen der Anlagen wächst neuer Wald auf. Dort steht auch eine Anlage der Bürgerenergie-genossenschaft Main-Kinzigtal, an der sich Bürger:innen beteiligen können und ihren Strom daraus beziehen können. Diese haben im Gegensatz zur UWG vorgesorgt für ihre Energiezukunft. Denn in absehbarer Zeit ist es ohnehin aus mit Kohle- und Atomstrom. Windenergie aus der Region bietet hingegen nachhaltige Stromversorgung für die Zukunft und den Erhalt des Waldes, stellt zusammenfassend Dr. Werner Neumann, Kreisvorsitzender des BUND Wetterau fest.

Dr. Werner Neumann für das Bündnis Windenergie Winterstein, 2020-11-10

Querstellen zum Artikel „UWG will keinen Beton im Wald“ (WZ vom 5. November)

Die Reaktion der UWG auf die Gründung des Bündnisses Windpark Winterstein war voraussehbar. Schon seit Jahren stellt sich diese Wählergruppe dem Ausbau der Windenergie auf dem Winterstein in den Weg. Ihre Methoden können nur als populistisch bezeichnet werden. Sie operiert mit möglichst abschreckenden Horrorzahlen (z.B. benötigte Betonmenge) und schürt unbegründete Ängste (z.B. „Störung von Grundwasserströmungen“). Sie verunglimpft einen Sprecher des Bündnisses mit dem negativ besetzten Begriff des  „Lobbyisten“ und unterstellt ihm gar „geschäftliche und private Interessen“. Ein ausgewiesener  Energiefachmann wird diskreditiert, indem ihm persönliche finanzielle Interessen unterstellt werden, was schlicht eine dreiste Lüge darstellt. Die UWG unterschlägt auch kurzerhand, dass Diethardt Stamm hier nicht als Einzelperson spricht, sondern im Namen von inzwischen 24 Organisationen, unter denen sich zahlreiche Umweltschutzorganisationen befinden. Es wird der UWG nicht gelingen, alle Menschen in diesen Organisationen zu verunglimpfen, nur weil sie sich für die Energiewende und einen Windpark auf dem Winterstein einsetzen. Hier zur Erinnerung nochmal die aktuelle Liste der Bündnisorganisationen:

Fridays for Future Friedberg/Bad Nauheim, Fridays for Future Hochtaunuskreis, BUND KV Wetterau, BUND OV Rosbach, BUND OV Ober-Mörlen, BUND KV Hochtaunus, BUND OV Wehrheim, NABU Wetteraukreis, Wetterau im Wandel, MiEG (Mittelhessische Energiegenossenschaft), Pro regionale Energie eG, Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal, Sonnenstromverein Hessen e.V. (SVH), Energiebildungsverein (EBV) e.V., Verein So’ne Kraft Hochtaunus, Die Grünen Friedberg und Wetteraukreis, Die Grünen Butzbach, Die Grünen Rosbach, Die Grünen Wehrheim, Die Linke Friedberg und Wetteraukreis, Bürger*innen-Bündnis WIR, Querstellen-Friedberg.

Selbst Schulkinder wissen heute besser über die Schädlichkeit von fossilen Brennstoffen bei der Stromgewinnung Bescheid als die Windenergie-Verhinderer in den Parlamenten. Um den dramatischen Klimawandel zu begrenzen und dem Wald auf dem Winterstein zu helfen, ist der Ausbau der Windenergie eine gute, schnelle und unverzichtbare Maßnahme. Ein effektiver Windpark auf dem Winterstein ist eine Chance für Klima und Natur. Allzu viel Zeit bleibt uns bekanntlich nicht mehr, weshalb wir rasch handeln müssen. Immer mehr Menschen haben das inzwischen verstanden und fordern von den Politikern deutlich größeres Engagement für den Klimaschutz. Der Windpark auf dem Winterstein kann ein wichtiger Beitrag unserer Region sein. Parteien und Wählergemeinschaften, die sich den Erfordernissen unserer Zeit hartnäckig verschließen und die Zukunft der jungen Menschen zerstören, sind nicht mehr wählbar. Das Bündnis wurde von den zahlreichen Gruppen gegründet, um auf die Umsetzung des Windparks Winterstein zu drängen, der eine unverzichtbare Investition in die Zukunft darstellt.

Selbstverständlich ist, dass Windenergieanlagen (WEA) auch Platz benötigen. Mit max. 0,4 ha Gesamtflächenverbrauch sind sie allerdings sparsamer als jede andere Form der Energiegewinnung. Der eigentliche Turm hat auf der Fläche eines freistehenden Einfamilienhauses Platz, was wohl erträglich ist. Zweifellos braucht eine WEA auch ein stabiles Fundament, denn schließlich soll sie ja nicht umfallen. Fundamente wie sie die UWG heranzieht, sind in Einzelfällen bei sandigen Böden erforderlich.  Auf dem Winterstein wird das anders sein und die UWG sollte die Materialberechnung vielleicht lieber Bauingenieuren nach entsprechenden Bodenuntersuchungen überlassen. Natürlich ist ein Windpark auf dem Wintersteinkamm auch sichtbar. Der Anblick wird aber keineswegs so schrecklich, wie er von Windkraftgegnern immer wieder ausgemalt und in bewusst dilettantischen Fotomontagen dargestellt wird. Wie sich Windenergieanlagen in eine Mittelgebirgslandschaft einfügen, kann man z.B. gut in der Nähe von Grävenwiesbach und Weilrod sehen. WEA-Standorte entwickeln sich oft sogar zu beliebten Wanderzielen. Ein Windpark ist kein „Todesstoß für den natürlichen Lebensraum“, sondern ein wichtiger Beitrag zu seiner Rettung.

Wer die Energiewende und eine Dekarbonisierung zu verhindern versucht, handelt unverantwortlich und macht sich mitschuldig am Klimawandel. Wenn wir die Welt als Lebensraum für uns Menschen erhalten wollen, müssen wir jetzt schnellstmöglich handeln und unsere Energiegewinnung komplett auf erneuerbare Energie umstellen. Sehr viele Menschen wissen um die Wichtigkeit von  Windenergieanlagen und freuen sich, wenn der von ihnen benötigte Strom auf saubere Weise in ihrer Nähe gewonnen wird und nicht aus Atom- oder Kohlekraftwerken stammt. Windräder haben längst ihren Schrecken verloren und sind zum Ausdruck einer nachhaltigeren Zukunft geworden.

Die populistische Taktik der UWG ist leicht zu durchschauen. Sie buhlt um die paar Wählerstimmen von Menschen, die noch immer gewisse Vorbehalte gegenüber der Windkraft haben. Die UWG entpuppt sich dadurch allerdings als Auslaufmodell ohne Zukunftsperspektive und wird keine Stimmen junger, denkender Menschen mehr gewinnen können.

Querstellen-Friedberg, 2020-11-10

Friedberg versagt bei Windkraft – Offener Brief an den Bürgermeister, den Magistrat und die Stadtverordneten der Stadt Friedberg

Sehr geehrter Herr Keller,

nach der Atomkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 verkündeten Sie, auf dem Winterstein Windkraftanlagen errichten zu wollen. Damals war es opportun, sich für die erneuerbaren Energien einzusetzen und sich als der Zukunft zugewandter Bürgermeister zu präsentieren. Sie taten dies sowohl in Zeitungsartikeln als auch auf Podiumsveranstaltungen des Aktionsbündnisses Querstellen-Friedberg. Im Verlauf der letzten vier Jahre hat sich diese Haltung offenbar stark gewandelt. Mehreren Zeitungsartikeln konnten wir entnehmen, dass Sie das Projekt Windpark Winterstein „ruhen lassen“ wollen. Dabei dient Ihnen ein Gerichtsurteil zum 15 km-Radius um Funkfeueranlagen als Argument. Beim Standort Winterstein fehlen dazu gerade einmal 500 m! Die hessenENERGIE hat in der Vergangenheit an mehreren Standorten auch im Abstand zwischen 10 km und 15 km die Genehmigung der Flugsicherung erhalten. Für den Winterstein können diese Genehmigungsprozesse als prinzipiell übertragbar angesehen werden.

In der letzten Stadtverordnetenversammlung kam jetzt die ganze Wahrheit ans Licht. Auch Sie als Bürgermeister und die SPD schlagen sich – wider besseren Wissens – auf die Seite der Windkraft-Verhinderer.

Die Notwendigkeit der Energiewende, die große Bedeutung der Windenergie, die Wichtigkeit der dezentralen Energiegewinnung und einer regionalen Wertschöpfung sind Ihnen hinlänglich bekannt. Ohne den Ausbau der Windkraft – auch hier in Friedberg – wird die Energiewende ausgebremst und der Klimaveränderung weiter Vorschub geleistet.

Daher erwarten wir Bürger*innen von Ihnen als unserem Bürgermeister, von dem Magistrat und von den Stadtverordneten, dass Sie sich intensiv für den Ausbau der erneuerbaren Energien, insbesondere für den Windpark Winterstein als zentralen Baustein, einsetzen.

Das Wintersteingebiet ist ein idealer Standort für einen Windpark: Es verspricht eine hohe Windausbeute, liegt weit entfernt von Wohnbauten hinter der lärmenden Autobahn und befindet sich nahezu vollständig auf städtischem Boden, was der Stadt hohe Pachteinnahmen sichert. Nur die Silhouette des Taunusrandes wird sich verändern. Fernsehturm und Handymast werden Gesellschaft bekommen.

Ja, die Erfahrung zeigt, dass es Bürger*innen gibt, die sich nur schwer mit dem Anblick von Windrädern anfreunden können. Ja, es gibt Windkraftgegner*innen, die irrationale Ängste vor der Windkraft schüren, sie als Naturverschandelung verunglimpfen und verantwortungslos weiter auf Atomkraft oder Klimazerstörung durch Kohleverstromung setzen. Auch wenn hier noch Überzeugungsarbeit zu leisten bleibt und zukunftsorientiertes Handeln sicher nicht immer bequem ist: für die künftigen Generationen ist es unabdingbar.

Ein konfliktscheuer Bürgermeister und eine SPD, die sich nicht mehr an die wichtigen Themen unserer Zukunft herantrauen, verspielen das in sie gesetzte Vertrauen und sind nicht mehr wählbar. Die Politiker unserer Nachbarstadt Butzbach beweisen deutlich mehr Mut: sie haben gerade einen Pachtvertrag mit hessenENERGIE abgeschlossen und damit ihren Windpark auf den Weg gebracht. In Friedberg setzen die politisch Verantwortlichen – mit Ausnahme von Bündnis 90/Die Grünen – offenbar lieber auf Konfliktvermeidung und Populismus. Fürchten SPD und Bürgermeister bei einem so konfliktgeladenen Thema wie der Windkraft womöglich um ihre Wiederwahl? Wer allerdings dringend notwendige Maßnahmen für die Zukunft unterlässt, wird dafür sicher auch nicht mit Wählerstimmen belohnt!

Zum Wohle der Stadt Friedberg und der Wetterau erwarten wir von unserem Bürgermeister, dem Magistrat und den Stadtverordneten, dass sie das Projekt Windpark auf dem Winterstein jetzt umgehend auf den Weg bringen.
Im neuen EEG ist die schrittweise Absenkung der Vergütung ebenso festgelegt wie die Notwendigkeit einer europaweiten Ausschreibung ab 2017. Jede Verzögerung führt also letztlich zu verringerten Einnahmen für Betreiber und Stadt und gefährdet das Ziel der regionalen Wertschöpfung. Nach unseren Informationen liegt ein Pachtangebot der hessenENERGIE vor, die bereit ist, gemeinsam mit der OVAG den Windpark zu errichten. Mit Abschluss des Pachtvertrags könnte das Genehmigungsverfahren umgehend auf Kosten der hessenENERGIE eingeleitet werden und der Stadt bliebe trotzdem die Option einer späteren Beteiligung offen.
Daher fordern wir Bürgermeister, Magistrat und Stadtverordnete auf, jetzt sofort zu handeln. Später könnte zu spät sein.

Friedberg, im Juli 2015
Für das Aktionsbündnis Querstellen-Friedberg
Ulla Broeker
Klaus Kissel
Christa Knoke-Wilhelm
Hans-Dieter Wagner