Windkraft zum Anfassen – Begehung eines Windparks bei Wächtersbach

Das Bündnis Windpark Winterstein organisierte am 18. September in Kooperation mit dem Landesnetzwerk der Energiegenossenschaften in Hessen eine Exkusion zum Windpark „Vier Fichten“ bei Wächtersbach.

Aufgrund seiner Lage mitten im Wald, auf einem Bergrücken, der annähernd die Höhe des Wintersteinkamms besitzt, konnten die über 60 Teilnehmenden einen gute Vorstellung von einem zukünftigen Windpark auf dem Winterstein entwickeln. Mit dieser Begehung leistete das Bündnis einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion um die Windkraft. Die oft von Gegnern verbreiteten Horrorvisionen von zubetoniertem Wald, Lärm und Naturzerstörung relativierten sich vor Ort sehr rasch. Die 12 Windenergieanlagen sind in den Wald eingebettet und beeinträchtigen andere Funktionen des Waldes nur minimal. Der Windpark ist inzwischen geradezu eine Attraktion für Wanderer geworden. Es wird sehr deutlich, dass der Nutzen einer sauberen, CO2-freien Energiegewinnung den Eingriff in die Natur bei Weitem übertrifft.

Jürgen Staab vom Landesnetzwerk der Energiegenossenschaften Hessen (LaNEG) informierte über die Entstehung des Windparks „Vier Fichten“, gab allgemeine Informationen zum Windpark und beantwortete die vielen Fragen der Teilnehmenden. Erste Planungsgespräche fanden im Jahr 2012 statt und 2013/14 wurden durch die in der Region ansässige Firma „Renertec“ 12 Windenergieanlagen mit je 3 MW Nennleistung errichtet, wobei 7 Anlagen auf dem Gelände von Wächtersbach und 5 in Gründau stehen. Insgesamt können sie für bis zu 70.000 Menschen CO2-freien Strom produzieren. Die Teilnehmenden erfuhren zahlreiche Details, u.a. dass bereits nach 4 Monaten Betriebszeit das bei Herstellung der Anlage entstandene CO2 wieder eingespart ist. Obwohl Abschaltautomatiken vorhanden sind, die bei bestimmten Wetterlagen und zum Schutz von Fledermäusen die Windräder stoppen, beträgt die Abschaltzeit lediglich 0,2%.

Juergen-Staab-Vorsitzender-des-Landesnetzwerkes-der-Energiegenossenschaften-beantwortet-Fragen-zum-Windpark-Vier-Fichten-

Diethardt Stamm vom Energiebildungsverein forderte dazu auf, jetzt rasch in konzertiertem Vorgehen den Windpark Winterstein zu entwickeln und dabei das Bündnis Windpark Winterstein als breites Bürger:innen-Bündnis mit einzubeziehen. Aktuell diskutiere man schon wieder in den vier betroffenen Kommunen eine sog. Absichtserklärung, verzögere  das Verfahren durch Verschiebungen in Ausschüsse und nehme das dann sogar „aus aktuellen Gründen“ wieder in Kommunalparlamenten von der Tagesordnung. „Man könne zwar die Angst mancher Kommunalpolitiker:innen vor der Bundestagswahl teilweise nachvollziehen, aber darüber habe die Verantwortung für die Bevölkerung, die Natur und das Klima zu stehen“, sagte Diethardt Stamm. Deshalb werde man direkt nach der Wahl neue Analysen zur Bebauung der Fläche auf dem Winterstein veröffentlichen und noch einmal versuchen, mit den verschieden Flächeneigentümern gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Dabei werde man auch das hessische Umweltministerium zur Vermittlung mit einbinden. Eventuell könnte der entstehende Windpark auch gänzlich oder teilweise durch ein Konglomerat von Energiegenossenschaften in Hessen finanziert und erworben werden. Hierbei könnte auch das Landesnetzwerk (LaNEG), in dem 30 Energiegenossenschaften hessenweit organisiert sind, Unterstützung leisten.

Dr. Werner Neumann vom BUND unterstrich die Notwendigkeit eines raschen Ausbaus der Windenergie, ohne die die notwendige Energiewende nicht zu schaffen ist. Er stellte klar, dass die Windenergie mehr von der Politik als vom Wind abhängig ist. Er erläuterte auch, dass Windkraft dem Wald hilft und nicht schadet. Nicht nur durch die CO2-Reduktion, sondern auch z.B. durch die als Ausgleichsmaßnahmen vorgenommenen Aufforstungen. Vom tatsächlichen Flächenbedarf eines Windrades, der bei Weitem nicht so hoch ist wie von den Gegnern immer dargestellt, konnten sich die Teilnehmenden direkt vor Ort einen guten Eindruck verschaffen.

Geschäftsführer Stefan Heimrich erläutert die Windradtechnik und die Teilnehmenden haben Gelegenheit die 'Schöne Gela' zu besichtigen.

Zum Schluss der Wanderung hatten die Teilnehmenden dann Gelegenheit, die „Schöne Gela“, das Windrad der Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal eG, kennenzulernen und sogar von innen zu besichtigen. Geschäftsführer Stefan Heimrich erläuterte die Technik der „Schönen Gela“.  Ihre Nabenhöhe beträgt 140 m und der Rotordurchmesser 112 m. Obwohl sie somit deutlich kleiner ist als heute errichtete Anlagen, liefert sie jährlich im Schnitt rund 6.000.000 kWh Strom, insgesamt inzwischen ca. 45.000.000 kWh.  Die genauen technischen Daten der „Schönen Gela“ sind hier nachzulesen. Der Energiegenossenschaft Main-Kinzigtal gelang es, innerhalb von nur 6 Wochen ca. 1,5 Millionen € als Grundstock für den Kauf des Bürgerwindrades einzusammeln, das aktuell etwa 4% Rendite abwirft, wobei die Tendenz steigend ist, denn die Kreditzinsen sinken ja kontinuierlich. 130 Bürger:innen aus den umliegenden Kommunen sind an der „Schönen Gela“ beteiligt. Das Windrad befindet sich mit allen 12 Anlagen in einem gemeinsamen „Pool“, damit Einnahmen und Risiken gleichmäßig verteilt werden.

Hans-Dieter Wagner u.a. Redner erinnerten auch an die bevorstehende Bundestagswahl, die entscheidende Bedeutung für die Eindämmung der Klimakatastrophe hat. Energiewende und Klimaschutz dürften ökonomischen und sozialen Interessen nicht nachgeordnet werden. Die Folgen des menschengemachten Klimawandels und die unvorstellbaren Kosten treffen vor allem die sozial Schwächeren. Es gelte daher Parteien zu wählen, die den Schutz des Klimas als vorrangig verstehen und nicht nur mit Einschränkungen vertreten. Auch zur Unterstützung des am 24. September stattfindenden Klimastreiks von Fridays for Future wurde aufgerufen.