TAG X – DER CASTOR KOMMT

Tag X - Castor auf dem Weg nach Biblis

Die Castoren werden zurzeit in Nordenham vom Nuklearschiff „Pacific Grebe“ auf die Bahn umgeladen. Nach Abschluss der Arbeiten und der Freimessung wird der Zug nach Biblis rollen. Wo wir ihn unter Einhaltung strenger Corona-Schutzmaßnahmen erwarten. Am heutigen Montag beginnt um 15 Uhr am Bahnhof Biblis eine Dauermahnwache. Die Castoren werden voraussichtlich morgen eintreffen. Stets aktuelle Informationen unter https://castor-stoppen.de/ticker/ bzw rechts auf der Castor-Alarm-Seite.

BÜNDNIS WINDPARK WINTERSTEIN GEGRÜNDET

Die Offenlegung des gemeinsamen Bebauungsplans Nr. 92 „Natur- und Erholungsgebiet Winterstein“ der Kommunen Friedberg, Ober-Mörlen, Rosbach und Wehrheim, der von vielen Organisationen als „Verhinderungsentwurf“  abgelehnt wird, hat zur Gründung eines breiten Bürgerbündnisses geführt, das sich für die Realisierung eines leistungsfähigen Windparks auf dem Winterstein einsetzt.

Inzwischen ist die Klimakrise für uns alle persönlich spürbar geworden und der Wald im Wintersteingebiet ist bereits erheblich zerstört.  Kinder und Jugendliche sowie die Mehrheit der Bevölkerung fordern daher, dass mehr zum Schutz des Klimas getan wird. Eine der schnellsten und effektivsten Maßnahmen zum Schutz von Klima, Natur und Mensch ist der Ausbau der CO2-neutralen Windenergie.

Das Land Hessen ist bestrebt, 2% der Landesfläche für die Nutzung von Windkraft bevorzugt auszuweisen, hat aber im Regierungsbezirk Darmstadt nur 1,4% erreicht. Das Vorranggebiet auf dem Winterstein umfasst mit 414 ha die größte Fläche der Region und zeichnet sich durch hohe Windhöffigkeit aus. Die vier Anliegerkommunen sind daher gefordert, einen Bebauungsplan so aufzustellen, dass eine möglichst optimale Nutzung für die Windenergie erfolgen kann. Im bisher vorgelegten Plan sind jedoch gerade einmal drei Windenergieanlagen vorgesehen, obwohl rund 20 WEA möglich wären. Die zahlenmäßige Begrenzung und die vielen technischen  Einschränkungen der Windenergieanlagen entlarven den Bebauungsplan als „Verhinderungsentwurf“, weshalb er von vielen Organisationen abgelehnt wird. Aus Verantwortung für das Klima und zum Schutz des Waldes fordert das  Bündnis Windpark Winterstein – zu dem auch Querstellen gehört – in einem gemeinsamen Positionspapier:

„Ziel muss eine hundertprozentige  Nutzung  der Vorrangfläche für die Windkraft sein, denn zum Schutz des Klimas ist eine maximale Einsparung an CO2 anzustreben. Die Standorte sind sorgfältig auszuwählen, wobei eine optimale Nutzung der Vorrangfläche und der Zustand des Waldes zu berücksichtigen sind. Ein Windpark mit ca. 20 WEA liegt im Bereich des Möglichen. Anzahl und Standorte der WEA müssen von einem fachkundigen Projektentwickler ermittelt werden.“  Hier das gesamte Positionspapier.

Zahlreiche Gruppen und Organisationen rund um den Winterstein unterstützen bereits das Bündnis Windpark Winterstein. Dazu gehören Wetterau im Wandel, Fridays for Future Friedberg/Bad Nauheim und Hochtaunuskreis, die BUND-Kreisverbände Wetterau und Hochtaunus, mehrere BUND-Ortsverbände, der NABU Wetterau, das Bürger*innen-Bündnis WIR, der Energiebildungsverein, der Verein So´ne Kraft Hochtaunus, die Mittelhessische Energiegenossenschaft, die Energiegenossenschaften pro regionale Energie eG und Main-Kinzigtal eG, Querstellen-Friedberg  sowie die Grünen in Friedberg, Rosbach, Butzbach und im Wetteraukreis und die Linke in Friedberg und im Wetteraukreis. Gerne können sich noch weitere Verbände für den Klimaschutz engagieren und sich dem Bündnis anschließen.  

Wir wollen, dass schnellstmöglich ein großer und effektiver Windpark auf dem Winterstein errichtet wird. Das Bündnis will daher auch bei den anstehenden Kommunalwahlen auf die seit Jahren in den Winterstein-Kommunen verfehlte Klima- und Energiepolitik hinweisen. Wer weiterhin hartnäckig die dringend notwendige CO2-Reduzierung verhindert, handelt angesichts der dramatischen Klimakrise unserer Meinung nach verantwortungslos und ist nicht mehr wählbar.

CASTOR-ALARM … TAG X … CASTOR-ALARM

Tag X - Castoralarm Biblis

Der Castor-Transport von Sellafield nach Biblis steht unmittelbar bevor. Trotz hoher Corona-Gefahr und Bedenken der Polizei-Gewerkschaft wird dieser gefährliche Transport jetzt in den ersten November-Tagen durchgezogen. Das ist genauso verantwortungslos wie das planlose Verschieben des Atommülls insgesamt. Das Zwischenlager in Biblis ist keineswegs sicher und es fehlt eine Reparaturmöglichkeit für defekte Castoren. Die Corona-Pandemie, die kalte Jahreszeit und eine gewisse Erschöpfung der Aktivist*innen – die sich in diesem Jahr bereits bei Protesten gegen Kohleabbau und Autobahnbau verausgabt haben – werden zur Durchführung des Transports genutzt.

Aber ganz ohne ein Zeichen zu setzen, soll der Zug nicht rollen. Querstellen gegen den Atom-Wahnsinn ist noch immer erforderlich. Kommt daher am Tag X zur Mahnwache am Bahnhof in Biblis.

Die Mahnwache befindet sich direkt am Bahnhof und ganz in der Nähe des Stichgleises zum Atomkraftwerk. Für Informationen, warme Getränke, Klos und trockene Plätze bei Regen wird gesorgt. Protestiert wird natürlich unter strenger Beachtung der Corona-Hygienemaßnahmen. 

Achtet auf die aktuellen Infos bei www.castor-stoppen.de, damit ihr den Transport nicht versäumt. Bildet Fahrgemeinschaften und/oder nutzt das „Hessenticket“, mit dem man preisgünstig direkt zum Bahnhof Biblis gelangt.

SECHS CASTOREN ROLLEN NACH BIBLIS

Quersteller Castoralarm Biblis 2020, A3

Im Frühjahr war der geplante CASTOR-Transport nach Biblis wegen der Corona-Pandemie zurückgestellt worden. Die Genehmigung für den Transport gilt jedoch noch bis Ende 2020 und es verdichten sich die Hinweise, dass die CASTOREN nach der Räumung des Dannenröder Waldes rollen werden. Es gibt deutliche Anzeichen, dass der Transport in der letzten Oktober- bzw. ersten Novemberwoche stattfinden wird.  Die 6 CASTOREN werden mit dem Schiff von der Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield voraussichtlich nach Nordenham in Niedersachsen gebracht, dort auf die Schiene umgeladen und auf bisher unbekannter Route ins Zwischenlager nach Biblis gefahren. In Norddeutschland, aber auch in Biblis wird es Proteste gegen diese gefährliche und konzeptlose Verschiebung von Atommüll geben. Die 18 Zwischenlager in Deutschland, bei denen es sich fast ausschließlich um oberirdische Hallen handelt, sind keineswegs sicher. Eine Reparatur defekter CASTOREN ist bei den meisten aufgrund fehlender „heißer Zellen“ nicht möglich und insgesamt mangelt es an einem schlüssigen Konzept, wie die fast 2000 CASTOREN nach dem Abschalten der Atomkraftwerke langfristig gelagert werden sollen, bis ein Endlager zur Verfügung stehen wird. Frühestens 2050 wird es ein Endlager geben und die Einlagerung wird weitere Jahrzehnte dauern. Genügend Gründe, sich weiterhin bei CASTOR-Transporten und Atommüll produzierenden Atomkraftwerken querzustellen.

Für unsere Region empfiehlt sich die Teilnahme an der Mahnwache am Bahnhof in Biblis. Sie wird unmittelbar auf der Westseite des Bahnhofs sein, ganz in der Nähe des Gleises zum Atomkraftwerk. Dort gibt es immer aktuelle Informationen, warme Getränke, Klos und bei Regen auch trockene Plätze. Ein Hygienekonzept und die Einhaltung der üblichen Corona-Auflagen sorgen dafür, dass wir auch in  diesen Zeiten gegen Atomkraft demonstrieren können. Aktuelle Infos gibt es immer auf der Website www.castor-stoppen.de. Der Link dazu befindet sich auch rechts auf unserer Startseite. Wer sich beteiligen möchte, sollte sich dort in die „Alarm-Listen“ eintragen, rechtzeitig Fahrgemeinschaften nach Biblis organisieren und vielleicht die Arbeitsstelle auf die kurzfristige Beantragung von „Sonderurlaub“ hinweisen. Mit dem „Hessenticket“ kommt man günstig direkt zur Mahnwache am Bahnhof in Biblis. Querstellen hilft bei frühzeitiger Anmeldung per Mail gerne, dass sich Interessierte zu Gruppenfahrten zusammenfinden.

DIE-LANGE-ATOM-MÜLL-ENDLAGER-SUCHE

Allen Warnungen zum Trotz haben Industrie, Politik und zwei Genrationen Menschen die Atomkraft zur Energiegewinnung genutzt. Gier, Profitstreben und Verantwortungslosigkeit haben sich gegen Vernunft und Weitsicht durchgesetzt. Zwar sollen Ende 2022 in Deutschland die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden, aber niemand weiß, wohin mit dem hochradioaktiven Müll. Die Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) soll daher in einem langwierigen und komplexen Prozess das Unmögliche lösen und den am wenigsten gefährlichen Ort finden, an dem der strahlende Müll für eine Million Jahre sicher lagern soll. Die BGE hat am 28. September 2020 in ihrem Zwischenbericht mögliche Regionen für ein Atomendlager veröffentlicht. Auswahlkriterium war die geologische Eignung des Untergrundes. Grundsätzlich kommen Ton, Salz oder kristallines Gestein in Frage. Rund 54% der Fläche der Bundesrepublik erscheinen in diesem Sinne geeignet. Detaillierte Informationen dazu gibt es auch bei ausgestrahlt.

Jedoch, niemand will dieses Endlager haben. Kaum war das Zwischenergebnis der BGE veröffentlicht, kam reflexartig die Reaktion der bayerischen Landesregierung. Das lässt erahnen, welche Konflikte noch zu erwarten sind. Die Suche nach einem Endlager wird sich lange hinziehen. Bis 2031 soll ein Standort gefunden sein und ab 2050 sollen die Castoren eingelagert werden. Aber diese Termine gelten als optimistisch und die Gnade der „frühen“ Geburt wird einigen von uns ersparen, das Drama der Endlagersuche bis zum Schluss miterleben zu müssen. Trotzdem kann es uns nicht gleichgültig sein, denn es geht um die Verantwortung – um nicht das Wort Schuld verwenden zu müssen – der jetzt Lebenden gegenüber den jungen Menschen nach uns. Ein erfreuliches Ergebnis brachte der Zwischenbericht der BGE allerdings doch: Gorleben ist bei der Standortsuche ausgeschieden! Damit wurde die einst aus politischen Gründen getroffene Entscheidung korrigiert und die fehlende Eignung offiziell bestätigt. Der Widerstand im Wendland wird nach langem Kampf endlich belohnt. Querstellen lohnt sich!

Bündnis Windpark Winterstein

Plakat Windpark Winterstein

Am 25. September meldete sich FRIDAYS FOR FUTURE mit einem Globalen Klimastreik aus dem Corona-Lockdown zurück. Auch in Friedberg ging ein langer Demonstrationszug – unter Einhaltung von Corona-Auflagen – vom Bahnhof, durch die gesamte Innenstadt, bis zur Seewiese, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Die Redebeiträge, z.B. von Eva Parbel und Camilla Czempin von den FFF-Gruppen Friedberg/Bad Nauheim, zeigten einerseits die Enttäuschung der Aktiven über die bisher getroffenen Klimamaßnahmen der Bundesregierung, aber auch den ungebrochenen Willen, weiter für die Zukunft der jungen Generation und mehr Klimagerechtigkeit zu kämpfen.

Aber nicht nur von der Bundesregierung wurde mehr Klimaschutz verlangt, sondern auch die Politiker*innen vor Ort wurden aufgefordert, sich intensiver für Klimaneutralität und den Umstieg auf erneuerbare Energien einzusetzen.

Aus Protest gegen den Entwurf des Bebauungsplans Winterstein, den die Kommunen Friedberg, Rosbach, Wehrheim und Ober-Mörlen unlängst offengelegt hatten (vgl. unseren Beitrag „Wieder Windkraft-Blockade am Winterstein!“), trafen sich Anfang September zahlreiche Gruppen aus der Region und vereinbarten, sich in Zukunft gemeinsam für einen effizienten  Windpark auf dem Wintersteinkamm einzusetzen. Nach bisherigem Stand unterstützen das Bündnis Windpark Winterstein: Die BUND Kreisverbände Wetterau und Hochtaunus, einschließlich mehrerer Ortsgruppen, Fridays For Future Friedberg/Bad Nauheim, Energiebildungsverein e.V.,  Mittelhessische Energiegenossenschaft, So’ne Kraft Hochtaunus e.V., Bürger*innen-Bündnis WIR, Wetterau im Wandel und natürlich Querstellen-Friedberg. Auch die politischen Parteien DIE GRÜNEN und DIE LINKE teilen die Ziele des Bündnisses.

Stellvertretend für das Bündnis begründete Diethardt Stamm vom Energiebildungsverein e.V. die Ablehnung des Bebauungsplans hinsichtlich seiner Festlegungen zur Windkraft und erläuterte die Dringlichkeit eines Windparks auf dem Winterstein, der auch das Thema auf zahlreichen Plakaten der Demonstrationsteilnehmer*innen war (s. Abbildung). Aufgrund der Größe des Windvorranggebietes auf dem Winterstein – es ist mit 414 ha das größte in ganz Südhessen – könnten nach konservativer Berechnung immerhin um die 23  Windenergieanlagen errichtet werden. Die im Bebauungsplan vorgesehenen 3 Anlagen wirkten auf Stamm zunächst wie ein „Tippfehler, bei dem die 2 vor der 3 vergessen wurde“. Bei der weiteren Lektüre des B-Plans wurde Stamm jedoch schnell klar, dass es darin nicht um die Förderung der Windkraft geht, sondern um deren Verhinderung. Zahlreiche, willkürliche Einschränkungen behindern die Errichtung eines Windparks: Das Vorschreiben getriebeloser Windräder verstößt z.B. gegen das Wettbewerbsrecht, da nur ein einziger Hersteller in Deutschland solche Windräder baut, andere Wettbewerbe würden so ausgeschlossen. Die Festlegung auf eine Nabenhöhe von 145 m ist ebenfalls  zurückzuweisen, weil dadurch ohne Not der Energieertrag und auch der Vogelschutz verringert werden. Dazu kommen auch noch zahlreiche Rechenfehler bei der Erstellung des B-Plans, weshalb Stamm den Entwurf insgesamt als „eine Katastrophe hoch fünf“ bezeichnete.

Angesichts der dramatischen Klimakrise – die inzwischen auch leicht am Waldsterben auf dem Winterstein sichtbar wird – muss die Windenergie massiv ausgebaut werden, um durch konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energie einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auch BUND-Sprecher Werner Neumann betonte in seiner Rede die Notwendigkeit, in der Wetterau und hessenweit die Windenergie auszubauen. Das Bündnis Windpark Winterstein wird sich weiterhin für das Klima und CO2-neutrale Energiegewinnung und den WINDPARK WINTERSTEIN einsetzen.

Windpark am Winterstein

Windpark am Winterstein, Flyer Querstellen, 2014Querstellen-Friedberg tritt für die Errichtung eines Windenergieparks am Taunusrand ein und hat dazu eine Reihe von Beiträgen veröffentlicht bzw. Veranstaltungen durchgeführt. Im November 2014 verteilten wir bereits 10.000 Flyer mit dem Titel „Windpark am Winterstein – Unser Beitrag zur Energiewende“. Die Argumente in diesem Flyer haben nichts an Aktualität eingebüßt. Schon damals wiesen wir auf die Vorteile des Taunuskamms für die Windkraft hin: „Dieses Vorranggebiet befindet sich westlich der A 5 am Steinkopf und bietet beste Bedingungen für die Realisierung eines Windparks. Dank seiner Kammlage sind sehr gute Windbedingungen vorhanden. Das Gebiet liegt weit weg von den Ortschaften.“
Seit März 2020 ist der „Sachliche Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE)“ in Kraft. Leitziele des TPEE sind u.a. die „Umstellung auf erneuerbare Energie auf möglichst konfliktarmen Flächen“ und die „Bündelung von Anlagen in größeren Vorranggebieten“. Das Vorranggebiet am Winterstein ist jetzt – in einer etwas nach Westen erweiterten Form – endgültig festgelegt und der Projektierung eines Windparks, der der Größe der Fläche gerecht wird, steht nichts im Wege. Stattdessen entwerfen die Anliegergemeinden einen Bebauungsplan, der Windenergieanlagen möglichst auszubremsen versucht und unterlaufen damit die Ziele der übergeordneten Regionalplanung.
Hier als Erinnerung unser Flyer von 2014. Weitere Beiträge finden Sie auch im Menü Wind+Sonne.

Unsere Forderungen an die regierenden Parteien der vier Anliegergemeinden

  • Geben Sie Ihre Verhinderungspolitik auf und engagieren Sie sich für die Realisierung eines Windparks im Windvorranggebiet 7805 auf dem Winterstein, damit auch unsere vier Anliegergemeinden einen Beitrag zur sauberen Energiegewinnung und zum Klimaschutz leisten.
  • Stärken Sie unsere Region durch dezentrale Energiegewinnung und wirken Sie damit einer Abwanderung der Wertschöpfung entgegen.
  • Forcieren Sie die Realisierung eines größeren Windparks mit mindestens 10 Windenergieanlagen auf dem Winterstein, der in der Lage ist, den Strom zu erzeugen, der in den Anliegerkommunen Friedberg, Ober-Mörlen, Rosbach und Wehrheim benötigt wird. Saubere, am Ort des Verbrauchs gewonnene Energie sollte sowohl für Politiker*innen als auch für Bürger*innen einen großen Anreiz darstellen.
  • Treten Sie offensiv für einen Windpark am Winterstein ein, um die leider noch immer vorhandenen Windkraftgegner zu überzeugen und sich den zu erwartenden Aktionen bekannter Lobbygruppen entgegen zu stellen.
  • Nutzen Sie die Einnahmemöglichkeiten durch Verpachtung oder Betreibung von Windenergieanlagen zur Verbesserung der kommunalen Finanzlage.
  • Verwenden Sie anfallende Ausgleichsmaßnahmen z.B. für die Aufforstung der durch Trockenheit zerstörten Waldbereiche oder für andere Naturschutzmaßnahmen.
  • Beziehen Sie Stadtwerke, regionale Stromanbieter und Energiegenossenschaften in die Planung des Windparks ein.
  • Fördern Sie den Bau eines „Bürgerwindrades“, um den Anwohnern die Möglichkeit zu bieten, auch persönlich finanziell von ihrem Windpark am Winterstein zu profitieren.

Wieder Windkraft-Blockade am Winterstein!

Die Stadt Friedberg hat im Rahmen einer „Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“ den gemeinsamen Bebauungsplan Nr. 92 „Natur- und Erholungsgebiet Winterstein“ der Kommunen Friedberg, Ober-Mörlen, Rosbach und Wehrheim offengelegt, der das Windvorranggebiet auf dem Winterstein einschließt. Vgl. https://friedberg-hessen.de/index_main.php?modules=news&callmode=1&unid=858&ispar=1&websiteid=normal&PHPSESSID=5e0050b7f14b477bfc86cc1af47b51bc
Dieser Bebauungsplan ist aus unserer Sicht ein „Verhinderungsplan“ von Windenergieanlagen und unterläuft damit das Windvorranggebiet und die Ziele des „Sachlichen Teilplans Erneuerbare Energien“ (TPEE). Querstellen-Friedberg hat die nachfolgende Stellungnahme eingereicht und fordert alle Bürger*innen der vier Anliegergemeinden auf, sich für einen Windpark auf dem Winterstein einzusetzen, damit auch wir hier vor Ort einen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten.

Stellungnahme von Querstellen-Friedberg zum Bebauungsplan Nr. 92 „Natur- und Erholungsgebiet Winterstein“:

Querstellen-Friedberg setzt sich seit seiner Gründung im Jahr 2010 für den Ausstieg aus der Atom- und Kohlekraft und für den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien ein. Die Dringlichkeit dieses Ziels wird uns inzwischen täglich durch die sich dramatisch verschärfende Klimakrise vor Augen geführt. Da der vorliegende Bebauungsplan Nr. 92 das im TPEE (Sachlicher Teilplan Erneuerbare Energien, vom März 2020) festgelegte Windvorranggebiet 7805 einschließt, beeinflusst er in hohem Maße die Errichtung eines zukünftigen Windparks im Wintersteingebiet, weshalb wir dazu Stellung nehmen.

Unsere Beurteilung des Bebauungsplans Nr. 92:
Die Ausweisung von Windvorranggebieten dient dazu, dort mit Vorrang – wie es der Name bereits sagt – Windenergieanlagen zu realisieren. Querstellen-Friedberg ist zu der Überzeugung gelangt, dass der Bebauungsplan Nr. 92 genau dieses vorrangige Ziel jedoch zu unterlaufen sucht und damit die Bestrebungen des TPEE konterkariert. Der Bebauungsplan verfolgt nicht das Ziel, die Möglichkeiten einer CO2-freien Energiegewinnung auf dem Winterstein durch Windenergieanlagen auszuschöpfen, sondern ihren Bau zu beschränken, zu erschweren oder gleich ganz zu verhindern. Von Größe, Geländestruktur und Windhöffigkeit ist das Wintersteingebiet  – auch für Laien leicht zu erkennen – prädestiniert für eine deutlich höhere Anzahl an Windenergieanlagen. Die klimabedingte Zerstörung weiter Waldbereiche in diesem Gebiet lässt die Errichtung eines Windparks sogar ohne große Rodungen zu. Die  Notwendigkeit von Windenergieanlagen für die Energiewende und den Schutz des Klimas wurde, ebenso wie der finanzielle Vorteil von Windenergieanlagen für die Kommunen, inzwischen ausreichend thematisiert.

Unsere Einwände gegen den Bebauungsplan Nr. 92:

  1. Der Bebauungsplan Nr. 92 verfolgt das Ziel, den Bau von Windenergieanlagen auf lediglich DREI Anlagen zu beschränken, was dem Sinn des Vorranggebietes widerspricht. Das Windvorranggebiet auf dem Winterstein ist das größte und windstärkste im gesamten Regionalverband und zweifellos in der Lage deutlich mehr Windenergieanlagen aufzunehmen. Nach unserer Einschätzung und Recherche dürften sicherlich über ZEHN Windenergieanlagen möglich sein, ohne andere Nutzungen zu beeinträchtigen. Energiegewinnung, Naturschutz und Freizeitnutzung lassen sich im Windvorranggebiet auf dem Winterstein problemlos verbinden. Die Reduzierung auf nur drei Anlagen begrenzt auf unzulässige Weise den erzielbaren Energieertrag, macht den Standort wirtschaftlich unattraktiv und dient somit lediglich der Verhinderung eines Windparks.
  2. Wie die Begrenzung der Anlagenzahl, so ist auch die Begrenzung der Nabenhöhe auf 145 m willkürlich festgesetzt. Eine Begründung für diese Einschränkung erfolgt nicht, weshalb davon auszugehen ist, dass auch diese Einschränkung lediglich dazu dient, den Standort unattraktiv zu machen. Viele heute gebaute Windenergieanlagen überschreiten diese vorgegebene Nabenhöhe. Bekanntermaßen lässt sich durch höhere Anlagen der Energieertrag steigern oder die Anzahl der Anlagen bei gleichbleibendem Energieertrag verringern. Höhere Anlagen reduzieren außerdem die Gefahr des Vogelschlags.
  3. Nach unserer Einschätzung sind weitere technische Vorgaben sachlich nicht nachvollziehbar oder dienen wiederum der Abschreckung möglicher Investoren. Die Vorgabe von 45 m zwischen Fundament und Rotorspitze ist genauso unsinnig wie eine Festlegung der  Gesamthöhe auf 245 m. Bei der vorgegebenen Nabenhöhe von 145 m kommt keine aktuelle Windenergieanlage auch nur in die Nähe dieser Werte. Außerdem ist es kontraproduktiv, die für den Bau der Anlagen notwendigen Wege wieder vollständig zurückzubauen, denn Zufahrten für evtl. erforderliche Wartungs- oder Reparaturarbeiten sind schließlich zu gewährleisten. Dies gilt besonders auch deshalb, weil am Winterstein keine neuen Wege erforderlich sind, sondern lediglich vorhandene Wege befestigt und an manchen Stellen verbreitert werden müssen. Die Verpflichtung zum vollständigen Rückbau der Anlagen nach 30 Jahren behindert unnötig ein mögliches Repowering. Auch nach 30 Jahren wird die Windkraft noch für eine CO2-neutrale Energiegewinnung benötigt werden.

Aufgrund der rigiden und willkürlichen Begrenzung der Anzahl an Windenergieanlagen und der anderen Restriktionen, sehen wir in diesem Bebauungsplan eine Verhinderungsstrategie von Windenergieanlagen auf dem Winterstein, die mögliche Investoren abschrecken soll. Damit setzen die herrschenden Vertreter der Anliegerkommunen ihre seit Langem bestehende Blockadepolitik fort und nehmen das Fortschreiten des Klimawandels, die extrem zunehmende Schädigung des Waldes – auch auf dem Winterstein – und das Hinauszögern der Energiewende billigend in Kauf. Eine solche Blockadehaltung ist unverantwortlich in einer Zeit, in der alles getan werden muss, um die Klimakrise noch beherrschbar zu halten.

Friedberg, August 2020

(Querstellen hat bei einem Spaziergang im Juni 2020 Teile des Windvorranggebietes auf dem Winterstein erkundet und nach weiteren geeigneten Windradstandorten Ausschau gehalten. Das vorläufige Ergebnis der Erkundung haben wir auf einer Karte des Windvorranggebietes Winterstein festgehalten.)

Standortvorschläge für Windenergieanlagen auf dem Winterstein

Beispiel für zerstörte Waldflächen am WintersteinQuerstellen-Friedberg hat bei einem Spaziergang im Juni 2020 das Windvorranggebiet 7805 auf dem Winterstein erkundet, um nach möglichen Standorten für Windenergieanlagen Ausschau zu halten. Wir waren erschrocken, wie groß die durch Trockenheit und Borkenkäfer entwaldeten Gebiete sind. Es wurde sichtbar, dass die Klimakrise auch auf dem Winterstein-Kamm bereits erhebliche Schäden hinterlassen hat. Die vielen entwaldeten Flächen machen deutlich, wie wichtig eine saubere Energiegewinnung und ein Windpark auf dem Winterstein sind.
Bei unserer 1. Erkundung fanden wir neben den drei im Bebauungsplan Nr. 92 „Natur- und Erholungsgebiet Winterstein“ festgelegten Windenergiestandorten (pink gekennzeichnete Punkte), auf Anhieb noch vier weitere, waldfreie Standorte (orange Punkte). Nach unserer Einschätzung sind sicher noch weitere Windenergiestandorte geeignet, die von uns jedoch noch nicht erkundet wurden (gelbe Punkte).
Der Winterstein, als in der Region größtes und windreichstes Windvorranggebiet, ist ohne Zweifel – auch für Laien erkennbar – geeignet, um mindestens zehn Windenergieanlagen aufzunehmen, ohne Naturschutz und Freizeitnutzung zu beeinträchtigen. (Karte zum Vergrößern anklicken.)

Windvorranggebiet mit Standortvorschlägen für Windenergieanlagen
(Upps! Auf der Karte haben sich leider im grünen Bereich der Ortschaften Fehler eingeschlichen, die sich nicht mehr einfach beseitigen lassen. Sorry! Der weiße Bereich mit dem Vorranggebiet und den Windenergiestandorten scheint aber okay zu sein.)

Alle Bürger*innen der Anliegergemeinden sind eingeladen, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen und nach geeigneten, möglichst waldfreien Standorten Ausschau zu halten. Selbstverständlich ist uns bewusst, dass eine fachkundige Projektplanung zu Veränderungen der Standorte und der Anzahl führen wird.
Unsere Einwände gegen den Bebauungsplan Nr. 92, der aus unserer Sicht eher der Verhinderung als der Realisierung eines Windparks dient, haben wir im Rahmen der „Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“ vorgetragen. (Vgl. unseren gesonderten Beitrag hierzu.)