Atomkraft ist kein Ausweg aus der Klimakrise

Auffällig oft lässt sich zurzeit auf verschiedensten Ebenen beobachten, dass die Atomkraft als Ausweg aus der Klimakrise propagiert wird. In renommierten Medien, z.B. „Spiegel“ oder „Zeit“ werden die angeblich sicheren und smarten Atomreaktoren der 4. Generation angepriesen.
Einige Kreise in der CDU äußern deutlich Sympathien für eine Renaissance der Atomkraft und suchen den Schulterschluss zur AfD. Der Verein „Nuklearia“ macht offensiv Werbung für Atomkraft. Er gibt sich das Image einer unabhängigen Bürgerinitiative, ist tatsächlich jedoch eine Tarnorganisation der Atomindustrie. Dies ist sicher mehr als ein Zufall. Die Atomwirtschaft wittert ihre letzte Chance, die Atomkraft in Deutschland wieder gesellschaftsfähig zu machen. Das Verblassen der Erinnerungen an Tschernobyl und Fukushima, das Verschieben der öffentlichen Diskussion in Richtung „Klima“ und die in Europa weiter an der Atomkraft festhaltenden Länder spielen diesen Akteuren in die Hände. Es ist ein letztes, aber nicht ungefährliches Aufbäumen, bevor 2021/22 die noch verbliebenen sechs Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.
Eine Renaissance der Atomkraft darf es nicht geben. Atomkraft ist kein Klimaretter, denn sie ist zu gefährlich, zu schmutzig, zu teuer und zu langsam.
Hier nur einige wenige Gründe, warum Atomkraft kein Ausweg aus der Klimakrise ist:

    • Atomkraft ist und bleibt eine Risikotechnologie mit unkalkulierbarem Gefahrenpotenzial.
    • Der Verbleib des anfallenden Atommülls ist und bleibt weiterhin ungelöst. Eine sichere Endlagerung ist nicht in Sicht.
    • Auch die angeblich so sauberen neuen Atomreaktoren der 4. Generation „verspeisen“ keinen Atommüll. Es ist schlicht ein Ammenmärchen, dass sie keinen strahlenden und giftigen Atommüll produzieren. Lediglich die Art des Mülls verändert sich.
    • Da Atomkraft nur noch einen sehr geringen Beitrag zur Energieversorgung leistet, müssten weltweit Tausende von neuen Atomkraftwerken gebaut werden, um nur einen kleinen Beitrag zur Verminderung des CO2-Ausstoßes leisten zu können. Das Errichten einer solch großen Anzahl von Atomkraftwerken ist völlig unrealistisch.
    • Schon die Planung und der Bau von konventionellen Atomkraftwerken dauern 10 bis 20 Jahre.
    • Die angepriesenen Atomreaktoren der 4. Generation befinden sich sogar noch im Theorie- oder Modellstadium. Falls sie überhaupt jemals einsatzfähig sein sollten, wird dies noch viele Jahrzehnte dauern. Für die dringend erforderliche Dekarbonisierung, d.h. für die Rettung des Klimas kämen sie auf jeden Fall viel zu spät.

Es gibt kein atomares Perpetuum-Mobile! Um dem Klima zu helfen, ist der rasche Umstieg auf erneuerbare Energien und eine vollständige Dekarbonisierung der einzig vertretbare Weg!
Die aktuellen Initiativen der Atomlobby dienen offensichtlich dem Ziel, Zweifel und Unsicherheiten zu säen, um evtl. noch einmal den Fuß in die fast schon geschlossene Tür zur Atomkraft zu bekommen. Sie versuchen den Umstieg auf erneuerbare Energien zu torpedieren. Wir sollten nicht auf diese durchsichtige Verzögerungsstrategie hereinfallen!
(Die längere Version dieses Artikels mit weiteren Argumenten finden Sie hier, und ein Poster vom Atomic-Perpetuum lässt sich als PDF im Format A3 herunterladen.)

KOHLE STOPPEN – KLIMA SCHÜTZEN

Mit einer Schubkarre voll Braunkohlebriketts zog Querstellen am Samstag, dem 24.11.2018, über die Kaiserstraße in Friedberg. Mit dieser Straßenaktion warben wir für einen raschen Ausstieg aus der Kohleverstromung und für die Teilnahme an den am 1. Dezember in Köln und Berlin stattfindenden Großdemonstrationen.
Straßenaktion - Kohle stoppen - Klima schützen
Die Dringlichkeit des Klimaschutzes ist inzwischen nicht nur von Wissenschaftlern erkannt, sondern auch im Bewusstsein vieler Bürger*innen angekommen. Der trockene und heiße Sommer in diesem Jahr ließ viele Menschen erahnen, was der langfristige Klimawandel bedeutet.
Seit Beginn der Industrialisierung erwärmt sich unsere Erde dramatisch. Ursache dafür ist das Verbrennen fossiler Rohstoffe und die damit verbundene Freisetzung von Kohlendioxid. Die Kohleverstromung und besonders das Verbrennen von Braunkohle gehören zu den schlimmsten Klimakillern. Braunkohle ist der ineffektivste und schmutzigste fossile Brennstoff. Deutschland produziert noch immer ca. 40% seines Stroms durch die Verbrennung von Kohle. Wir verbrennen mehr Braunkohle als jedes andere Land der Erde und tragen damit erheblich zur Klimaveränderung bei.
Auf der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris haben 196 Staaten beschlossen, die Treibhausgasemissionen so zu senken, dass die Erderwärmung nicht die als kritisch erkannte Marke von 2 Grad erreicht, möglichst sogar auf 1,5 Grad begrenzet wird. Deutschland hat sich sogar schon 2010 verpflichtet, die Emissionen bis 2050 um 80-95% (gegenüber 1990) zu reduzieren.
Nur mit einem schnellen Ausstieg aus der Kohle bis 2030 und einem ambitionierten Ausbau und vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien ist es möglich, noch in die Nähe dieser Ziele zu kommen. Gegenwärtig zeigt die Entwicklung allerdings in die entgegengesetzte Richtung und die angestrebten Ziele rücken in immer weitere Ferne.
Der Ausstieg aus der Kohleverstromung wird von mächtigen Energiekonzernen wie RWE und den mit ihnen verbundenen Regierungen und Verbänden, z.B. der NRW-Regierung, der Industrie nahestehenden Parteien und Organisationen, bis hin zu Teilen der SPD und der Gewerkschaften massiv behindert. Ebenso verlangsamt sich der Ausbau der erneuerbaren Energien aufgrund zahlreicher Deckelungsmaßnahmen.  Auch in unserer Region ist gerade wieder einmal der irrationale Kampf gegen Windkraftanlagen, z.B. in Butzbach oder Friedberg zu erleben.

Querstellen ist nicht egal, welche Welt wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen.
Querstellen fordert nicht nur den beschleunigten Atomausstieg, sondern auch den Kohleausstieg bis 2030. Wir begrüßen daher den Rodungsstopp für den Hambacher Wald und sprechen uns gegen eine Ausweitung des Braunkohletagebaus aus. Die Kohle muss aus Gründen des Klimaschutzes in der Erde bleiben.
Querstellen tritt für den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2040 ein. Diese Ziele sind ehrgeizig, aber erreichbar, wie Szenarien z.B. des BUND oder des Bundesumweltamtes aufzeigen. Deutschland produziert einen großen Stromüberschuss. Der Atomausstieg kann daher beschleunigt und alte Kohlekraftwerke können sofort abgeschaltet werden, ohne dass es zu Versorgungsengpässen kommt. Außerdem werden dadurch die Leitungen frei für sauberen Ökostrom.
Querstellen ist sich bewusst, dass dieser Strukturwandel sozialverträglich erfolgen muss und die noch in der Kohleindustrie arbeitenden Menschen nicht vergessen werden dürfen. Querstellen sieht auch, dass der Klimawandel nur das Ergebnis einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Produktionsweise ist. Der notwendige Kohleausstieg ist daher nur ein kleiner, aber notwendiger Schritt auf dem Weg zu einer allgemeinen gesellschaftlichen Transformation.
Querstellen hält den in Butzbach geplanten Windpark und auch einen Windpark auf dem Winterstein für dringend erforderlich und für eine große Chance für unsere Region. In unserem Flyer zum Windpark Winterstein haben wir bereits 2014 die wesentlichen Argumente dazu zusammengefasst. Politiker, die diese Projekte verhindern, versagen in unseren Augen bzgl. des Klimaschutzes und der nachhaltigen Entwicklung unserer Region.
Querstellen ruft zur Beteiligung an den für den 1. Dezember geplanten Großdemonstrationen in Köln und Berlin auf. Sie stehen unter dem Motto: KOHLE STOPPEN – KLIMASCHUTZ JETZT. Querstellen fährt von Friedberg um 8.30 Uhr mit der Bahn nach Köln. Interessierte können sich noch anschließen. Der Fahrpreis beträgt ca. 15 €.

Hambi bleibt!

Hambi bleibt! Was vor Kurzem noch eine trotzige Forderung war, ist jetzt zur kaum erwarteten Tatsache geworden. Welch ein grandioser Erfolg all derer, die sich für den Erhalt des Waldes und gegen die Kohleverstromung eingesetzt haben! Ein gutes Beispiel dafür, dass jede*r einen Beitrag leisten kann und die Vielfalt der unterschiedlichen Protestformen gemeinsam zum Erfolg führen.
Ein großartiges Ergebnis für den Natur- und Klimaschutz und eine deftige Klatsche für RWE und die N-RWE-Regierung, die mit hilflos-peinlichen Interviews das selbstverschuldete Desaster zu vertuschen sucht. Der Erhalt des Hambi ist ein klares Signal für das Ende der Kohleverstromung. Dank an alle, die daran mitgewirkt haben.
Jetzt, nachdem die Polizei abgezogen ist, kehrt hoffentlich wieder Ruhe im Wald ein und Hambi kann sich allmählich wieder erholen. Die Bewohner können wieder ihre Baumhäuser aufbauen und sich schrittweise an die Beseitigung der Verwüstungen machen. Zwar dürfte es nur schwer gelingen, die breiten Schotter-Schneisen wieder zurückzubauen, aber die zugeklebten Nisthöhlen der Bechsteinfledermäuse lassen sich leicht öffnen und die Fallen für die Haselmäuse entfernen.

Vielleicht entstehen wieder neue Wald-Siedlungen, damit die Utopie einer herrschaftsfreien Lebensweise in und mit der Natur wieder erblühen kann. Der Anfang ist jedenfalls vielversprechend. Nicht nur das „Schlupfloch“ auf dem linken Foto ist schon neu entstanden. Eine längere Bilderreihe über das großartige Wochenende im Hambacher Wald befindet sich unter FOTOS.

Mahnwache: Hambacher Wald schützen

„Erheben wir uns, Jung und Alt und schützen wir den Hambacher Wald“, singt Bodo Wartke in seinem Lied über den Hambacher Wald. Das war auch der Grund für unsere zweite Mahnwache am Samstag, dem 29. Sept. 2018, auf dem Elvis-Presley-Platz in Friedberg.

Seit 6 Jahren entstanden im Hambacher Wald aus Protest gegen die geplante Erweiterung des Braunkohleabbaus über 50 Baumhäuser, die sich zu mehreren Siedlungen mit fantasievollen Namen wie Oaktown (Eichenstadt), Gallien, Beechtown (nach den dort wachsenden Buchen benannt), Lorien, Cozytown oder Norden verbanden. Sogar einen Kleingartenverein gab es. Dieser bemerkenswerten Alternativ-Architektur verliehen wir in unserer begleitenden Fotoausstellung das „Blue Shield“, mit dem schützenswerte Kulturgüter gekennzeichnet werden. All diese Häuser wurden in den letzten Wochen nahezu vollständig geräumt und zerstört. Dennoch haben die Aktivist*innen, denen wir unseren größten Respekt aussprechen, Großartiges  geleistet, denn sie haben vielen in unserem Land die Augen geöffnet und die Diskussion über den Kohleausstieg vorangetrieben. Am Ende dieses Konfliktes werden sie über die Natur- und Klimazerstörer triumphieren. Dass in der Bevölkerung viele gegen die Rodung des Hambacher Waldes sind, zeigte sich schon daran, dass während der Mahnwache 80 Personen den Appell zum Erhalt des Waldes unterzeichneten.
Statements von Aktivist*innen aus dem Wald wurden vorgetragen und über Kurt Claßen berichtet, dem ein 2.500 m2 großes Wiesenstück am Rande des Hambacher Waldes gehört, das RWE für den Kohleabbau benötigt. Der jahrelange juristische Kampf von Kurt Claßen gegen den Energieriesen RWE ist inzwischen legendär. RWE hat ihm für sein Grundstück  15.000  € geboten. Claßen verkauft aber nicht und verlangt aktuell 36,8 Milliarden Euro, berechnet nach den zu erwarteten Gewinnen für den Konzern. Eine Einigung ist angesichts der großen Diskrepanz nicht zu erwarten. Gegen ihn als Privatperson sind mehrere Klagen anhängig und ihm droht die Enteignung. 130 € wurden bei der Mahnwache gesammelt, um ihn bei den Prozesskosten zu unterstützen.
Getreu dem Motto, „Erheben wir uns Jung und Alt“, hatte auch die Naju-Gruppe-Wetterau zur Mahnwache aufgerufen. In ihrem Redebeitrag erinnerten sie daran, dass wir alle Energienutzer sind und Verantwortung für einen sparsamen Umgang mit Energie tragen. Wir alle können sehr viel tun: Wir können z.B. LED-Birnen einsetzen, bei Elektrogeräten stärker auf die Energieeffizienzklasse achten, nur volle Maschinen waschen, auf bessere Wärmedämmung achten, die Heizung etwas kühler stellen, Geräte vom Stromnetz nehmen, öfter mal laufen oder Fahrrad fahren. Dinge kann man wiederverwerten, statt wegzuwerfen und neu zu produzieren. Und man kann einfach zu einem Naturstromanbieter ohne Kohlestrom umsteigen. Das ist schon einmal ein Anfang.

Der Widerstand gegen die Rodung des Hambacher Forstes und den Braunkohleabbau wird auch nach der Räumung der Baumhäuser fortgesetzt!
Braunkohle ist der ineffektivste und klimaschädlichste Energieträger!
Kein anderes Land der Erde verbrennt mehr Braunkohle als Deutschland!
Die Braunkohleverstromung des Energiekonzerns RWE macht das Rheinland zur größten CO2-Quelle Europas und ist eine schwere Belastung für das Weltklima!
Die Braunkohle ist der Hauptgrund, warum Deutschland seine Klimaziele nicht erreicht!
Die Braunkohleverstromung muss daher schnell und sozialverträglich beendet werden!
Das renommierte Fraunhofer Institut in Freiburg hat ausgerechnet, dass der Kohleausstieg bis 2030 möglich ist, dass die Kohle unter dem Hambacher Forst nicht mehr benötigt wird und trotzdem die Stromversorgung sicher bleibt.
Die Kundgebung wurde mit dem im Hambacher Wald üblichen Ruf „Hambi bleibt, Hambi bleibt, Hambi Hambi Hambi bleibt bleibt bleibt“ beendet.