Unsere Herbstaktionen 2011

Castortransport nach Gorleben:

Mehr als fünf Tage dauerte der Transport der Castoren von La Hague bis ins Zwischenlager Gorleben. Der 13. Castortransport war damit mit Abstand der längste aller Zeiten! Der Widerstand war so bunt und vielfältig wie selten und auch 20 000 Polizisten, die im Wendland im Einsatz waren, hatten sichtlich Mühe, den Castoren den Weg zu bahnen. Die Hoffnung der Bundesregierung, dass mit dem Ausstiegsbeschluss der Widerstand erlahmt, hat sich nicht erfüllt. Zu groß ist noch immer das Misstrauen ob der plötzlichen Wende und zu halbherzig und unglaubwürdig ist die Suche nach alternativen Standorten für ein Endlager.
Auf sehr eindrucksvolle Weise demonstrierten die Atomkraftgegner/innen erneut ihre Stärke:
Schon in Frankreich begannen die Proteste und Störaktionen und setzten sich an vielen Orten der Castorstrecke fort. Im Wendland zogen die Menschen  schließlich wieder alle Register des Protestes. Durch die jahrelangen Auseinandersetzungen hat sich eine einzigartige Widerstandskultur im Wendland entwickelt, die geradezu als Paradebeispiel für zivilen Ungehorsam angesehen werden kann. Mit überaus vielfältigen und kreativen Aktionsformen treten die Atomkraftgegner/innen der Staatsmacht entgegnen, die sich trotz Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas oft geschlagen geben muss.
Einige wenige Impressionen von den Protesten sind unter Bilder zu finden.

Unser Fazit:

  • Die Atomkraftgegner/innen haben nichts an Stärke eingebüßt!
  • Der bisherige Ausstiegsbeschluss reicht nicht aus!
  • Der illegale Ausbau des Endlagers Gorleben muss gestoppt werden!
  • Die Endlagersuche muss tatsächlich ergebnisoffen geführt werden!
  • Alle Atomkraftwerke müssen schnellstens stillgelegt werden!

Mahnwache Friedberg:


Es waren nicht nur Mitglieder des Aktionsbündnisses im Wendland, sondern am Samstag, dem 26. November, während des Castortransports, fand auch wieder eine Mahnwache in Friedberg statt. Damit bekundeten wir unsere Solidarität mit allen Protestierenden und machten deutlich, dass dieses Thema nicht auf das Wendland beschränkt ist, sondern uns alle betrifft, auch hier in der Wetterau.

Podiumsdiskussion:

Unsere größte Veranstaltung war die Podiumsdiskussion „Wie wird die Wetterau atomstromfrei?“ am 15. November im Albert-Stohr-Haus in Friedberg. Das Interesse an diesem Thema war so groß, dass der Saal die Besucher kaum fassen konnte. Engagiert diskutierten Rolf Gnadl (OVAG), Michael Keller (Bürgermeister von Friedberg), Sebastian Sladek (Elektrizitätswerke Schönau) und Diethardt Stamm (BUND und MiEG) darüber, wie die Energiewende in der Wetterau vorangetrieben werden kann. Eine Zusammenfassung dazu finden Sie unter Berichte.

Unser Fazit zur Podiumsdiskussion:

  • Die Wetterau ist auf dem Weg in die Energiewende!
  • Alle Podiumsteilnehmer sprechen sich gegen die Atomkraft aus.
  • Alle treten für den Ausbau der erneuerbaren Energien ein, um den Anteil an Atomstrom zurückzudrängen.
  • Alle Beteiligten bevorzugen die dezentrale Energiegewinnung in unserer Region, statt langer Transportwege von externen Großanlagen.
  • Alle wollen die Wertschöpfung vor Ort und bemühen sich um die Abwehr großer Kapitalgesellschaften von außerhalb.
  • Alle Teilnehmer wollen eine Beteiligung der Bürger sowohl bei der Planung als auch bei den Investitionen.
  • Ohne andere erneuerbare Energiequellen zu vernachlässigen, erwarten alle Podiumsteilnehmer den größten Beitrag zur Energiewende von der Windkraft.
  • Eine zügige Festlegung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen ist wichtig, damit die Kommunen nicht  ihre Steuerungsmöglichkeiten verlieren.
  • Der von Bürgermeister Keller vorgestellte Standort für einen Windpark am Taunusrand (Steinkopf-, Wintersteingebiet), den die Bürgermeister von Ober-Mörlen, Rosbach, Wehrheim und Friedberg ins Auge gefasst haben, erscheint uns sinnvoll und sollte zügig erkundet werden.

Das Friedberger Aktionsbündnis gegen Atomkraft wird die Energiewende in der Wetterau unterstützen und ihre Akteure konstruktiv und kritisch begleiten.

Ein Jahr Friedberger Aktionsbündnis:

Wir möchten noch darauf aufmerksam machen, dass vor einem Jahr, am 15. und 16. Dezember, in Friedberg unsere ersten Aktionen anlässlich des Castortransports nach Lubmin stattfanden. Darauf folgte ein unerwartet aktionsreiches Jahr und wir danken allen, die mitgemacht haben.

Podiumsdiskussion: Wie wird die Wetterau atomstromfrei?

Die im Titel der vom Aktionsbündnis veranstalteten Podiumsdiskussion gestellte Frage beschäftigt offensichtlich viele Bürger: Der Saal im Albert-Stohr-Haus erwies sich als fast zu klein, um die Menge der Interessierten aufzunehmen. Unter der souveränen Leitung von hr2-Redakteur Florian Schwinn entwickelte sich schnell eine engagierte Diskussion.
Rolf Gnadl, Vorstandsvorsitzender der OVAG, führte aus, dass sein Versorgungsunternehmen stolz darauf sei, 19% seiner Leistung aus regenerativen Energiequellen zu beziehen. Die OVAG besitze 99 Windenergieanlagen (vornehmlich im Vogelsberg) und investiere derzeit massiv in diese Technologie. Er sprach sich – wie alle Teilnehmer der Diskussion – klar für eine dezentrale Energieversorgung aus, dämpfte aber Hoffnungen auf eine vollständige Loslösung von dem nationalen Energiemix. Er selbst, so gestand er, sei schon zufrieden, wenn mittelfristig der Anteil der regenerativen Energie in der Wetterau auf 30% gesteigert werden könnte.
Dem widersprach Sebastian Sladek von den Elektizitätswerken Schönau, die ihren Kunden zu 100% Strom aus regenerativen Quellen anbieten. Er sieht den Schlüssel zur Abkopplung vom nationalen Energiemix, der nach wie vor ca. 15% Atomstrom enthält, in einer konsequenten und weitreichenden Bürgerbeteiligung. Die dazu geeignete Gesellschaftsform sei die Genossenschaft.
Damit war er sich einig mit Diethardt Stamm, dem Vertreter der Mittelhessischen Energiegenossenschaft (MiEG). Dieser wies darauf hin, dass auch nach dem geplanten Laufzeitende der deutschen Reaktoren 2022 weiterhin Atomstrom im Verbundnetz verbreitet werden würde – vermutlich sogar in noch größerem Umfang als bisher, da Unternehmen in Nachbarländern derzeit massiv in diese Technologie investieren. Stamm warnte vor den Lockungen großer Firmen: Die Renditen würden von deren Investoren abgeschöpft; vor Ort bleibe dann kaum etwas übrig. Regionale Wertschöpfung sei daher gefordert. Überspitzt formuliert: „Was spricht dagegen, dass die Bürger irgendwann mal die OVAG übernehmen?!“
Der Friedberger Bürgermeister Michael Keller wies auf die politische Dimension der Frage hin: „Energiepolitik ist Machtpolitik!“ Es gebe derzeit ein zeitlich begrenztes Fenster, innerhalb dessen man Vorsorge für regionale Lösungen der Energiefrage treffen müsse. Er sei daher sehr froh, dass es am Tag zuvor zu einer Einigung unter den Bürgermeistern der Anrainergemeinden zum Winterstein gekommen sei, dieses Gelände zum Vorranggebiet für Windenergieanlagen auszuweisen. Diese Möglichkeit könne genutzt werden, da sowohl das Planungs- wie auch das Eigentümerrecht hier an einem Strang zögen. Auch Keller sprach sich für eine weitgehende Bürgerbeteiligung bei dem bevorstehenden Planungsverfahren aus, konnte aber auf Einzelheiten noch nicht eingehen.
Keller schloss sich der Kritik an der Investitionspolitik der großen Banken und Hedgefonds an, betonte aber, dass das Volumen der ins Auge gefassten Windanlagen auf dem Winterstein für diese Global Players zu klein sei. Die lokalen Geldinstitute – Volksbanken, Sparkassen – seien aber „mit im Boot“.
In der abschließenden Fragerunde gingen die Teilnehmer auch auf die Bedenken bezüglich Landschafts- und Naturschutz ein. Selbstverständlich müssten die Naturschutzverbände und die Forstverwaltung einbezogen werden. Auch ästhetische Gesichtspunkte bei der Landschaftsveränderung sind zu berücksichtigen. Sebastian Sladek wies in diesem Zusammenhang wieder auf die Bedeutung von Bürgerbeteiligung und Genossenschaften hin, um möglichst viele Bürger für die Energiewende zu gewinnen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die Akzeptanz deutlich steigt, „wenn die Anteilhaber erkennen, dass sie mit jeder Drehung des Rotors Geld verdienen.“

Castor-Aktionstag, 29.10.2011: Aktionsbündnis unterstützt Demonstration in Darmstadt

Mehrere Tausend Menschen machten am Castor-Aktionstag an zahlreichen Orten in der ganzen Bundesrepublik darauf aufmerksam, dass unmittelbar vor dem 1. Advent wieder ein Castor-Transport mit hochradioaktivem Müll aus La Hague nach Gorleben geplant ist. Dieser Transport ist nach unserer Auffassung unverantwortlich. Noch lange ist in Deutschland kein geeignetes Endlager für Atommüll in Sicht. Das ziellose Umherfahren und Zwischenlagern von Atommüll wirkt daher wie ein absurdes Theaterstück. Die oberirdische Lagerhalle in Gorleben ist sehr unsicher und die Strahlenwerte überschreiten bereits jetzt die zulässigen Grenzwerte. Ein weiteres Einlagern von Atommüll muss daher unterbleiben. Der Transport nach Gorleben ergibt auch deshalb keinen Sinn, weil der dortige Salzstock als Endlager nachweislich ungeeignet ist. Wenn man trotzdem an dieser Stelle die Castoren konzentriert, entsteht der Verdacht, dass man auf diese Weise vollendete Tatsachen schaffen will. Dafür sprechen auch die hohen Investitionssummen und die intensiven Ausbaubestrebungen im Rahmen der „Endlagersuche“.
Aus diesen und zahlreichen weiteren Gründen nahm auch das Friedberger Aktionsbündnis gegen Atomkraft, diesmal unterstützt von den Jusos Wetterau, an den Protestaktionen am Castor-Aktionstag teil. Ausgestattet mit Atomfässern, Fahnen und Infomaterial trafen sich die Atomkraftgegner/innen am Friedberger Bahnhof, um von dort aus zu einem „alternativen Castor-Transport“ zu starten. Mit der Bahn ging es über Frankfurt nach Darmstadt, wo wir uns der Demonstration der südhessischen Anti-Atom-Gruppen anschlossen. Nach Aktionen vor und im Darmstädter Bahnhof fand eine Demonstration entlang der möglichen Castor-Strecke nach Kranichstein statt, an der rund 100 Personen, begleitet von einem stattlichen Polizeiaufgebot, teilnahmen. Auf den beiden Kundgebungen in Darmstadt machten die Sprecher von atomkraftEnde-Darmstadt deutlich, dass der Standort Gorleben lediglich aus politischen Gründen als mögliches Endlager gewählt wurde und nicht weil er besonders geeignet wäre. Skepsis wurde aber auch gegenüber der derzeitigen, wenig durchdachten Forderung von Greenpeace geäußert, den Atommüll – statt in Gorleben – in Philippsburg zwischenzulagern, denn auch diese Halle ist keineswegs sicherer. Stattdessen vertrat man die Auffassung, dass solche Atomtransporte grundsätzlich zu unterbinden seien, solange die Atomkraftwerke weiterlaufen und zusätzlichen Atommüll produzieren. Auch wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass der sog. Ausstiegsbeschluss des Bundestages keineswegs eine Verkürzung der Laufzeiten von Kernkraftwerken bedeutet, wie irrtümlich in weiten Kreisen der Bevölkerung angenommen wird. Tatsächlich sind die Laufzeiten der Atomkraftwerke gegenüber dem Ausstiegsbeschluss von 2001 sogar verlängert worden. Immer wieder forderten Sprecher und Demonstranten daher in Sprechchören das sofortige Abschalten der Atomkraftwerke und den Stopp der Castortransporte.
Tipp: Eine gelungene Übersicht über die neuen Laufzeiten wurde von atomkraftENDE Darmstadt zusammengestellt und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Sie befindet sich als Druckversion auch unter Material. (Vgl. auch atomkraftendedarmstadt.blogsport.de)

Unser Selbstverständnis

Liebe BesucherInnen unserer Homepage!
Das Friedberger Aktionsbündnis – Wir stellen uns quer wurde Ende 2010 als Reaktion auf die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke gegründet. Auch in Friedberg und der Wetterau wollten wir gegen die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung protestieren und uns den zahlreichen Anti-Atom-Gruppen in der Bundesrepublik anschließen. Unsere ersten Aktionen richteten sich im Dezember 2010 und Februar 2011 gegen die Castor-Transporte nach Lubmin und traten für den sofortigen Atomausstieg ein. Neben diesen lokalen Aktionen in Friedberg und Bad Nauheim mobilisierten wir auch für die bundesweite Großdemonstration in Stuttgart, um gemeinsam mit der Anti-Atom-Bewegung die Bundesregierung zu zwingen, den Beschluss zur Laufzeitverlängerung zurückzunehmen und die Atomkraftwerke abzuschalten. (Vgl. Berichte und Fotos.) Es bedurfte bedauerlicherweise der Katastrophe am 11. März 2011 in Fukushima, damit die Bundesregierung endlich ihren eklatanten Fehler erkannte und nicht zuletzt aus Furcht vor dem Machtverlust in letzter Minute eine Kehrtwende vollzog. Das Friedberger Aktionsbündnis begrüßt das sofortige Abschalten der ältesten Reaktoren, ist sich aber gleichzeitig darüber bewusst, dass der Ausstiegsbeschluss eine „Mogelpackung“ ist, denn viele Atomkraftwerke sollen jetzt sogar noch länger laufen als schon von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen worden war. Laufzeiten bis 2022 und die weitere Produktion von geschätzten 2,5 Millionen kg hochradioaktivem Atommüll stellen ein unverantwortliches Risiko dar und können von uns nicht akzeptiert werden.
Wir setzen unsere Aktivitäten aber auch deshalb fort, weil bis zum Abschalttermin des letzten Atomkraftwerks sicher noch mit einigen Versuchen zu rechnen ist, den Ausstiegsbeschluss ein weiteres Mal rückgängig zu machen. Wir wollen auch zukünftigen Regierungen jegliche Lust auf solche Versuche nehmen.
Allerdings will sich das Friedberger Aktionsbündnis nicht damit begnügen, lediglich den sofortigen Atomausstieg zu fordern, sondern wir wollen uns in Zukunft auch verstärkt für eine beschleunigte Energiewende vor Ort einsetzen. Wir treten dafür ein, die Energieversorgung in der Wetterau schnellstmöglich und vollständig auf erneuerbare Energie umzustellen.
Wir würden uns freuen, wenn auch Sie sich für dieses Ziel engagieren und sich an unseren Aktionen beteiligen würden. Das Friedberger Aktionsbündnis lädt Sie herzlich dazu ein.

Für das Friedberger Aktionsbündnis
Christa Knoke-Wilhelm
Hans-Dieter Wagner

Presseerklärung zum Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung

Bei seinem letzten Treffen diskutierte das Friedberger Aktionsbündnis gegen Atomkraft den Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung. Von den Anwesenden wurde begrüßt, dass die Bundesregierung endlich den gesellschaftlichen Konsens, aus der Atomkraft auszusteigen, akzeptiert. Dass die sieben ältesten AKW und der Schrottreaktor Krümmel nicht mehr ans Netz gehen, wurde als Erfolg der Anti-Atom-Bewegung gewertet.
Deutlich wurde aber gleichzeitig, dass das Aktionsbündnis den Entscheidungen der Bundesregierung misstraut und der Ausstieg noch keineswegs unumkehrbar ist. Besonders, dass der Ausstieg erst 2022 vollzogen sein soll, kritisierten viele Mitglieder. Der Ausstieg ist auch schon bis 2017 möglich. Wieder wird verzögert. Die Bundesregierung lässt den Atomkonzernen zu viel Zeit und sich zu viele Hintertürchen offen. Insbesondere das gleichzeitige Abschalten von sechs AKW in den Jahren 2021 und 2022 ist aus unserer Sicht gefährlich und unnötig. Denn jeder Tag, an dem die Atomkraftwerke laufen, besteht die Gefahr eines Unfalls und es wird mehr hochradioaktiver Abfall produziert, für dessen Entsorgung die Bundesregierung nach wie vor keine Lösung hat.  Aufgrund des strahlenden Mülls, der fast genauso gefährlich wie ein laufendes AKW ist, muss alles daran gesetzt werden, früher auszusteigen. Auch aus finanziellen Gründen macht das Sinn. Denn die Atomwirtschaft hat sich bisher geschickt aus der Frage der Entsorgung herausgehalten. Die Allgemeinheit ist für die Risiken und die Entsorgung zuständig, während den Atomkonzernen reichlich Gelegenheit gegeben wird, sehr viel Geld zu verdienen. Dazu passt, dass die Bundesregierung über das EEG vor allem große Offshore-Windparks fördern will, die wiederum von den Energiekonzernen betrieben werden. Die Anlagen an Land werden hingegen kaum noch gefördert. Ähnliches gilt für die Photovoltaik. Das alles zeigt, dass die Energiewende nicht wirklich von der Bundesregierung vorangetrieben wird.
Am Ende der Diskussion kam man überein, dass weiter Druck der Anti-Atom-Bewegung nötig sein wird, um die Bundesregierung zu weiteren Schritten zu zwingen. Deshalb wird das Aktionsbündnis auch im Herbst wieder zu den Demonstrationen im Wendland mobilisieren.
Begrüßt und unterstützt wird vom Aktionsbündnis die von den Wetterauer Kommunen und dem Kreis verkündete Bereitschaft,  vor Ort die Energiewende zu organisieren. Das Aktionsbündnis sieht es als seine Aufgabe, in der Wetterau über erneuerbare Energien zu informieren und insbesondere die Geschäftspolitik der OVAG als lokalen Versorger zu beobachten. Die Energiewende ist auch eine regionale Aufgabe, weshalb insbesondere der OVAG die Aufgabe und Verpflichtung zufällt, die Wetterau mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Das Friedberger Aktionsbündnis wird zu diesem Thema im Herbst eine Info- und Diskussionsveranstaltung organisieren.

Einfach mal abschalten!

Nach der ereignisreichen Zeit im Frühjahr und Frühsommer war auch beim Friedberger Aktionsbündnis gegen Atomkraft einfach mal abschalten erforderlich!
Im Juni organisierten wir noch – unterstützt von der Buchhandlung Bindernagel und der Grünen Jugend – eine Lesung mit Hans Platzgumer im Jugendhaus der Stadt Friedberg. Platzgumer las aus seinem fiktiven Roman „Der Elefantenfuß“, den er zum 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl veröffentlichte und der von sonderbaren Menschen erzählt, die sich heute, im Jahr 2011, in der Todeszone begegnen. Ein lesenswertes Buch, was wir gerne weiterempfehlen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch noch auf die Interviews von Swetlana Alexijewitsch hinweisen, die sie mit Tschernobyl-Opfern führte und erstmals vor 5 Jahren unter dem Titel „Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft“ veröffentlichte. In diesen Interviews werden uns in sehr eindringlicher Weise das Leid der Strahlenopfer und die Skrupellosigkeit der Verantwortlichen bei der Bekämpfung der Reaktorkatastrophe vor Augen geführt.
Im Friedberger Aktionsbündnis wurde und wird selbstverständlich auch der  Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung diskutiert. Wir begrüßen es, dass dieselbe Regierung die noch vor wenigen Monaten von ihr beschlossene Laufzeitverlängerung zurücknimmt und damit ihren eklatanten Fehler korrigiert. Dass einige der ältesten und unsichersten Reaktoren endgültig abgeschaltet werden, ist eine längst überfällige Maßnahme und findet unsere volle Zustimmung. Gleichwohl bleiben wir misstrauisch und wachsam. Wie wir leider bereits beim letzten Ausstieg aus dem Ausstieg erleben mussten, sind solche Beschlüsse nicht unumkehrbar. Auch sind wir der Meinung, dass Laufzeiten bis 2022 für die anderen AKW unnötig und viel zu risikoreich sind. Ein vollständiger Ausstieg aus der Atomkraft muss schneller erfolgen und ist auch nach Meinung vieler Experten früher möglich. Die unnötige Produktion von weiterem Atommüll muss schnellstmöglich gestoppt werden und auch die unsinnigen Transporte von Atommüll quer durch Europa sind so lange zu beenden, bis eine sichere Lagerstätte gefunden ist. Wir sind gespannt, wie man mit den fürs Jahresende vorgesehenen Atommüll-Transporten nach Gorleben verfahren wird. Unsere Presseerklärung zum Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung finden Sie unter Berichte.
In Zukunft will sich das Friedberger Aktionsbündnis auch stärker für die Energiewende unmittelbar vor Ort einsetzen. Unter dem Titel „Wie wird die Wetterau atomstromfrei?“ planen wir zurzeit eine Informationsveranstaltung, zu der wir Verantwortliche in der Region und Experten in Energiefragen einladen, um Impulse zu geben, die Wetterau möglichst schnell zu einer atomstromfreien Region zu machen. Die schon jetzt vorliegenden Zusagen einiger Podiumsteilnehmer lassen einen interessanten Abend erwarten. Wir werden Sie rechtzeitig über Termin und Teilnehmer informieren. Wer bei der Vorbereitung der Veranstaltung mithelfen oder uns kennen lernen möchte, ist herzlich zu unseren nächsten Arbeitstreffen am 23. August, 14. September und  6. Oktober eingeladen.

Hans Platzgumer liest aus „Der Elefantenfuß“, 17. Juni, um 20 Uhr, im „Junity“ in Friedberg.

Es ist uns gelungen, Hans Platzgumer für eine Lesung aus seinem neuen Buch „Der Elefantenfuß“ zu gewinnen. Der fiktive Roman spielt im Juni 2011 in der Geisterstadt Pripjat in der Ukraine. Hier ist vor 25 Jahren der Reaktor von Tschernobyl explodiert und hat über 4000 km²  in ein totes Gebiet verwandelt. Es gibt verseuchten Wald und verseuchte Gebäude und einige seltsame Menschen, die dort in der Todeszone aufeinandertreffen. Platzgumer hat sehr sorgfältig die Katastrophe vor 25 Jahren und auch die heutige Situation in Tschernobyl recherchiert, sodass es sicher ein interessanter und informativer Abend wird. Die Veranstaltung wird gemeinsam von der Buchhandlung Bindernagel, dem Friedberger Aktionsbündnis, den Jusos und der Grünen Jugend in Kooperation mit dem Friedberger Jugendhaus „Junity“ durchgeführt. Der Eintriff für Erwachsene beträgt 5 €, Jugendliche sind frei.

Endgültig Schluss mit der Atomkraft

Bundesweit fanden am Samstag wieder in 21 Städten Großdemonstrationen mit rund 160000 Teilnehmern statt. Das Friedberger Aktionsbündnis nahm zusammen mit fast 10000 weiteren Atomkraftgegner/innen an der Demonstration in Frankfurt teil. Alle Redner unterstrichen, dass jetzt endgültig Schluss sein muss mit der Nutzung der Kernenergie. Auch wir Wetterauer Atomkraftgegner/innen sind der Meinung, dass die Kernenergie unakzeptable Risiken birgt. Die Gefahr eines GAUs, der Tod von Menschen und die atomare Verseuchung großer Regionen ist nicht auszuschließen. Tschernobyl, die dreifache Kernschmelze in Fukushima und viele andere Zwischenfälle belegen überdeutlich, dass diese Technologie nicht sicher beherrschbar ist. Auch die weitere Produktion von radioaktivem Müll, für den es kein Endlager gibt, ist unverantwortlich. Aus diesem Grund treten auch in der Wetterau viele Menschen für das Abschalten aller Atomkraftwerke ein. Es reicht nicht aus, nur die 7 ältesten Reaktoren abzuschalten, denn auch neuere Atomkraftwerke sind keinesfalls sicher. Kein Reaktor ist z. B. gegen Flugzeugabstürze und Terrorangriffe ausreichend geschützt. Nach Meinung der Anti-Atom-Bewegung und vieler Experten ist das Abschalten aller Atomkraftwerke durchaus schnell zu erreichen, was auch dadurch belegt wird, dass zur Zeit gerade noch vier Atomkraftwerke in Deutschland am Netz sind, ohne dass Versorgungsengpässe eintreten. Durch die Förderung dezentraler, erneuerbarer Energien lässt sich die Kernenergie ersetzen.

Am Ostermontag mit zwei Bussen beim Tschernobyl-Gedenktag in Biblis

Einen Tag vor dem 25. Jahrestages der Tschernobylkatastrophe versammelten sich an vielen AKW-Standorten in Deutschland wieder mehrere zehntausend Menschen, um gegen Atomwirtschaft und für regenerative Energien zu demonstrieren. Auch das Friedberger Aktionsbündnis reiste mit zwei Bussen, einigen Privat-PKW und Fahrrädern nach Biblis, um dort für den sofortigen Atomausstieg zu demonstrieren. Trotz der erwarteten Menschenmengen, wollten die lokalen Veranstalter bewusst in dem kleinen Ort Biblis demonstrieren, dessen Bewohner ja bekanntermaßen nicht atomkritisch eingestellt sind und die meist auf der Gehaltsliste des Atomkraftbetreibers RWE stehen. So versuchten Redner den Menschen in Biblis deutlich zu machen, dass ein geordneter Rückbau des AKW Arbeitsplätze auf Jahre sichern wird und dass natürlich auch Biblis die Möglichkeit hat, sich im Bereich regenerativer Energien zu engagieren. Viele Experten gehen mittlerweile davon aus, dass Deutschland in Technik und Organisation der Energiewende eine Führungsrolle in der Welt einnehmen könnte und so über die technische Innovation weit mehr Arbeitsplätze entstehen werden als es in der Sauriertechnologie Atomkraft je gelang. Bei bestem Wetter hörten die Demonstrationsteilnehmer den Rede- und Musikbeiträgen zu, informierten sich an den zahlreichen Infoständen oder genossen auf den Kundgebungsplätzen die Sonne. Viele selbstgemachte Transparente, Theateraktionen und Trommelgruppen zeigten, dass der Widerstand bunt, kreativ und lebenslustig ist. Auch unser Aktionsbündnis hatte sich kreativ vorbereitet und verteilte gefärbte Ostereier mit Aufklebern und seine „Blumen der erneuerbaren Energie“. Im Bus waren außerdem unter Anleitung von Stephan Hübner (BUND) Ostereier mit dem Aufdruck „Atomkraft ist ein faules Ei“ gebastelt worden. Menschen aller Altersgruppen nahmen an der Demonstration teil, was sich auch in unseren Bussen widerspiegelte. Neben Leuten, die bereits vor 25 Jahren nach Tschernobyl auf die Straße gingen, waren auch viele junge Leute dabei, nicht wenige nahmen zum ersten Mal an einer Demonstration teil. Dies bestätigt, dass der Protest gegen die Atomkraft längst von großen Teilen der Gesellschaft getragen wird und dass die Menschen den Ausstiegsversprechen der Regierungsparteien nicht glauben und deshalb auch sicher weiterhin auf die Straße gehen werden. Das Aktionsbündnis bedankt sich bei der BUND-Ortsgruppe Friedberg/Bad Nauheim für die finanzielle Unterstützung, so dass Kinder und Jugendliche kostenlos mitfahren konnten. Auf der Rückfahrt waren sich alle Teilnehmer einig, dass weiterhin für eine Energiewende und gegen Atomkraft demonstriert werden muss. Am 28. Mai werden in zahlreichen Großstädten, darunter auch Frankfurt, Großdemonstrationen stattfinden, um zum Ende des Moratoriums klar zu machen, welche Entscheidungen die Menschen von der Bundesregierung erwarten. Auch wieder viele Wetterauer werden sich an diesen Demonstrationen beteiligen, um den Druck auf die Bundesregierung in dieser Frage weiter aufrecht zu erhalten. Alle sind eingeladen, mit uns nach Frankfurt zu fahren. Der gemeinsame Abfahrtstermin der S-Bahn wird noch bekannt gegeben.

Großdemo am 28. Mai in Frankfurt: Aktionsbündnis fährt gemeinsam mit der Bahn, Treffpunkt 11 Uhr

Großdemo am 28. Mai in Frankfurt:
Die Anti-Atombewegung will ihre Forderung nach sofortiger und endgültiger Stilllegung aller AKW am 28. Mai bundesweit auf vielen Großdemonstrationen unterstreichen. Das Friedberger Aktionsbündnis beteiligt sich an der Demonstration in Frankfurt, die um 12.30 Uhr am Hauptbahnhof startet. Wir fahren gemeinsam um 11.17 Uhr mit der S-Bahn in Friedberg ab. Zum Kauf von preiswerten Gruppentickets und entsprechender Aufteilung treffen wir uns um 11 Uhr in der Bahnhofshalle.

Vorläufiger Ablaufplan (Änderungen sind noch möglich):
11.17 Uhr Abfahrt am Bahnhof Friedberg
11.56 Uhr Ankunft in Frankfurt
12.30 Uhr Beginn der Demo am Hauptbahnhof
15.00 Uhr Abschlusskundgebung auf dem Römer